Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

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Freitag, 9. Juni 2017

Warum ich Anna Veronika Wendland angezeigt habe

Im April habe ich mich entschieden, gegen die Diffamierungstätigkeit von Anna Veronika Wendland (Osteuropa-Historikerin und damit meine Kollegin), die sich u.a. gegen meine Person richtet, polizeilich vorzugehen. Aus dem Text meiner Anzeige vom 14.5.2017:

 "Am 25. April 2017 um 16:27 Uhr hatte Frau Wendland geschrieben:  „Ach die Kreiten... die hat mich schon vor Ewigkeiten geblockt (übrigens sonderbarerweise die Einzige, die mich je geblockt hat!), weil ich ihre Sicht der tscherkessischen Nationalidee nicht teile.“   
                              
Frau Wendland hatte am 5. Mai 2016 schiefe, meines Erachtens der Opfer von Rassismus, Völkermord und Vertreibung unwürdige Vergleiche bemüht, sich selbst damit in eine Opferrolle gerückt und sich in gewisser Weise mit den Nachkommen der Überlebenden eines Völkermordes gleichgesetzt. Sie hat zudem mich mehr oder weniger beschimpft, weil ich ein angemessenes Verhalten, orientiert an  freiheitlich-demokratischen Werten, eingefordert hatte. Meine Aufforderungen gaben Anlaß zu einem Kommentar ihrerseits, der wörtlich „Danke, Frau Lehrerin, darf ich mich wieder setzen? Oder muss ich noch in der Bioecke stehen?“ lautete.                 

 Ich vertrete keine tscherkessische Nationalidee. Ich setzte mich für eine (wissenschaftliche) Aufarbeitung eines im 19. Jahrhunderts an der (muslimisch geprägten) Volksgruppe der Tscherkessen durch das Zarenreich verübten Völkermordes ein. Frau Wendland ist selbst Historikerin, sie muß die Unterschiede zwischen dem Vertreten einer Nationalidee bzw. aktuellen politischen Zielen der Staatsbildung, geschichtswissenschaftlicher Aufarbeitung und gesellschaftspolitischer  Aufklärungsarbeit und Vergangenheitsbewältigung kennen - sie verwendet solche diskreditierenden, verächtlich machenden, zynisch klingenden Beschreibungen meiner Tätigkeit meines Erachtens demzufolge auch bewußt. Meine Beschäftigung mit dem Völkermord an den Tscherkessen mit einem Einsatz für eine tscherkessische Nationalidee gleichzusetzen, ist vermutlich ähnlich adäquat, wie eine Aufarbeitung des Holocaust oder von Aspekten desselben auf abfällige Weise als „Werben für Zionismus“ darzustellen.     

Ich bin nicht intolerant, demokratiefeindlich und ich blockiere auch nicht, wenn eine Person meine Gedanken, Auffassungen und persönlichen Ziele nicht teilt – der Maßstab sind für mich viel eher demokratische Einstellungen und ein höflicher, respektvoller Umgang miteinander. Mein Freundeskreis und meine sozialen Interaktionen mit demselben können belegen, daß ich mit unterschiedlichen Personen und Kreisen Umgang pflege. Ich habe den Kontakt zu Frau Wendland nicht abgebrochen, weil sie mir in meinen persönlichen Ansichten nicht beigepflichtet hätte, sondern weil sie ein für meine Begriffe pervertiertes, zynisches und jeglichen menschlichen Respekt gegenüber Völkermordopfern vermissen lassendes Verhalten an den Tag gelegt hat. In ihren Äußerungen kam, wiederum meines Erachtens, auch eine gewisse Gleichgültigkeit, wenn nicht sogar Verachtung und Verrohung gegenüber bedrohten Kollegen und repressierten bzw. ermordeten Aktivisten (z.B. gegenüber dem tot aufgefundenen tscherkessischen Journalisten Timur Kuashev) zum Ausdruck. Daß ich erwähnt und kritisiert hatte, daß von entsprechenden Repressionen und Behinderungen in unserer Öffentlichkeit kaum die Rede ist und kaum angemessen hierauf reagiert wird, wurde durch sie verächtlich gemacht bzw. ins Lächerliche zu ziehen versucht. Meines Erachtens hat sich Frau Wendland damit auch – zumindest implizit – entsprechenden demokratischen und völkerrechtlichen Werten und Normen entgegengestellt.                                              

 Mir selbst gegenüber ist Frau Wendland bereits am  5. Mai 2016 ausfallend geworden und hat vermutlich gezielt verleztende Statements getätigt. Die Hinweise auf Verfolgung, Repression und Behinderung in Bezug auf die Aufarbeitung des an den Tscherkessen verübten Völkermordes und der russischen Kolonialgeschichte im Nordkaukasus hat sie als „zu unterstellerisch und wahnwichtelig“ (= gemeint ist eine Mischung aus verschwörungstheoretischen Ansichten und wahnhaften Vorstellungen) abgetan. Frau Wendland ist des Russischen mächtig, sie kann damit auch entsprechende Menschenrechtsverletzungen auf international angesehenen (regimekritischen) Plattformen wie Caucasian Knot/Kavzaskij Uzel nachlesen und nachprüfen, sie muß nicht mutmaßen oder herumrätseln, daß die entsprechenden politischen Problemlagen erfunden oder herbeiphantasiert wären.            

Frau Wendland hatte im gleichen Zuge auch behauptet, sie störe sich lediglich an meiner angeblichen „Gerichtshof-Attitüde, mit der Sie jeden auf die Anklagebank setzen, der sich diese Sache nicht so zur Herzenssache macht wie Sie es tun. Damit verlieren Sie eigentlich wohlgesinnte Freunde. Mich zB.”. In Widerspruch dazu war für mich früher auch schon von ihrer Seite kein Wohlwollen und keine Unterstützung zu erkennen gewesen – weder für einzelne Personen noch den Opfergruppen gegenüber bzw. auch in Bezug auf die Thematik als solche nicht. Ich halte damit die (vermeintlichen) Sympathien, die ich mir angeblich durch meinen Auftritt verscherzen würde, für vorgeschoben. Frau Wendland hat im Rahmen der selben Unterhaltung mehrfach zu erkennen gegeben, daß sie keinerlei Interesse an einer ernsthafteren Beschäftigung mit den entsprechenden Themen und Problemlagen hatte (Wendland: „Tatsächlich bin ich aufgrund dieses Mangels an Ubiquitarität unsolidarisch mit 99»Prozent» der Verfolgten dieser Erde, von denen es 70»Prozent» noch dreckiger gehen dürfte als den Tscherkessen. Und damit erlaube ich mir, mich aus dieser überaus bizarren Diskussion zu verabschieden.“).                 

Frau Wendland erweckt mit abfälligen und schnoddrigen, teils zynisch-satirischen Formulierungen den Eindruck, ich wolle anderen mein „Lieblingsthema“ aufzwängen. Dies ähnelt stark Diskreditierungsversuchen, wie ich sie von seiten von Vertretern und Verfechtern des russischen Zentralstaats kenne - diesen gemäß ist dann ein Einsatz für Menschen- und Minderheitenrechte ein Anzeichen für Egoismus, Selbstfixiertheit und die Unfähigkeit, den Bedürfnissen und Interessen Anderer Rechnung zu tragen. Wendland schien mir in der besagten Diskussion absichtlich ein Eintreten für das Recht anderer Menschen, sich frei und ihren Interessen und Bedürfnissen gemäß zu betätigen, mit einem eigenen inhaltlichen Engagement und einem Einsatz für die Sache selbst zu vermischen. Ich habe von Frau Wendland nie einen Einsatz für eine „tscherkessische Sache“ und eigenes Interesse gefordert, ich hatte Respekt und die in Demokratien übliche Unterstützung für die Meinungsfreiheit Anderer erwartet.         

Ich habe nichts anderes eingefordert als eine relativ konsequente Orientierung an Demokratie, Menschenrechten und Völkerrecht und ein pluralistisches Gewährenlassen sowie faire Chancen für Vergangenheitsbewältigung und historischer Forschung. Ich werde nun offenbar, als Reaktion darauf, von Kollegen, ehemaligen Bekannten und anderen Personen, darunter eben Frau Wendland, öffentlich diffamiert und mittels unwahrer Behauptungen bloßgestellt. Frau Wendlands entstellende Beschreibungen meiner Person wie auch die verbale Verächtlichmachung und Herabwürdigung meiner Arbeit fügen sich zusammen mit Behauptungen, die mehrheitlich darauf zielen, mich als geisteskrank, aggressiv, unkontrolliert, in meinem sozialen Verhalten gestört, extremistisch oder sogar potentiell gewaltbereit („Amoklauf“) darzustellen. Frau Wendland hat sich von entsprechenden Haßkommentaren bislang nicht in erkennbarer Weise distanziert bzw. sich nicht kritisch dazu geäußert. Ihre frühere eigene Schmähkritik („zu wahnwichtelig und unterstellerisch“) zielte zudem in eine ähnliche Richtung.   

Ich halte Wendlands aktuelle, öffentlich und in meiner Abwesenheit getroffene Aussage „Ach die Kreiten... die hat mich schon vor Ewigkeiten geblockt [...], weil ich ihre Sicht der tscherkessischen Nationalidee nicht teile“ angesichts der hier geschilderten Hintergründe für eine Schmähkritik und für eine bewußt ehrenrührige, beleidigende und unwahre Behauptung, die auf meine öffentliche Diskreditierung und Verächtlichmachung zielt. Dieses greift auch meinen Ruf als besonnene, vernunftgesteuerte Wissenschaftlerin und als Bürger an. Es ist dies auch bereits das zweite Mal, daß Frau Wendland – nach unserer damaligen Auseinandersetzung – auf herablassende, abfällige und znyische Weise in der Öffentlichkeit über mich herzieht_ eine nicht ganz so drastische, aber sehr ähnlich geartete Äußerung hatte sie bereits auch am 19. Februar 2017 getätigt. Ich bitte Sie damit, die noch nicht verjährten Aussagen, also vorrangig diejenigen vom 25. April 2017, auf das Vorliegen von übler Nachrede und Verleumdung in Bezug auf meine Person zu prüfen, wie auch hinsichtlicher möglicher anderer Tatbestände, die (z.B. über Verächtlichmachung) die Rechte Dritte tangieren könnten, zu ermitteln."

Der Diskussionsverlauf vom 5.Mai 2016 findet sich hier, samt einer Kommentierung meinerseits.

Ob ein juristisches Vorgehen gegen das Ausdrücken der hier thematisierten Ansichten, wenn sich dieses mit aggressiven Ausfällen gegen Andere verbindet, gerechtfertigt ist? Ich meine ja, auch wenn viele Menschen möglicherweise dazu tendieren werden, das abfällige Vorgehen gegen historische Aufarbeitung, Thematisierung von Minderheitenrechten und gegen ein Beharren auf Minderheitenschutz, der konkret wird, als "Kleinigkeit" und  belanglose Bagatelle, als "private Meinungsäußerung" abzutun. Es ist meines Erachtens gerade eine zu stark perpetuierte Einstellung des anyything goes, die auf diesem Feld so sehr für Verzerrungen und Entgrenzungen gesorgt hat und hier ist es notwendig, sich doch auch mal wieder im Ziehen von Linien zu versuchen. Entgegen anderslautender Behauptungen geht es mir natürlich schon um eine „Sache“, und zwar um Geschichtsrevisinismus, dessen Verteidigung oder Billigung (bzw. stillschweigende Duldung) und ein mangelndes Einstehen für demokratische Strukturen auf diesem Gebiet.  

Ob man mir vor Gericht in allen benannten Punkten Recht geben wird, weiß ich natürlich nicht. Schließlich ist das Abwägen des Gutes der persönlichen Meinungsfreiheit gegenüber den Rechten anderer Einzelpersonen oder auch gegenüber Gemeinschaftsgütern meist ein Balanceakt, erfordern entsprechende Entscheidungen viel Fingerspitzengefühl und ist das Ziehen solch feiner Linien auch Ermessenssache. Der Völkermord an den Tscherkessen ist samt zugehöriger Stereotypenbildungen, Klischees, Leugnungsstrategien und apologetischer Erzählungen  zudem noch sehr wenig bekannt. Selbst der Holocaust darf in Deutschland unter bestimmten Umständen geleugnet werden: Dann, wenn der öffentliche Friede hierdurch nicht in Gefahr gerät. Man muß trotzdem versuchen, für Grenzlinien einzustehen und diese zumindest wieder immer wieder ins öffentliche Gespräch einzubringen und zu diskutieren -  wenn es andere auch noch so unglaubwürdig und lächerlich finden mögen, daß man „für sowas“ anzeigt.

Mir ist wichtig, gegen eine anscheinend fast allseitig verbreitete mediale und akademische Stimmungslage der Straflosigkeit in Bezug auf die Tscherkessen und den an ihnen begangenen Völkermord vorzugehen und zu versuchen, dieses Thema (samt der Repression von Aufarbeitung und deren Verharmlosung) wieder in einen normalen gesellschaftlichen Raum zurückzuholen. Natürlich auch, aber nicht nur, da ich konkret und persönlich betroffen bin. U.a. bin ich insofern beruflich betroffen, als Personen in, sagen wir mal, "hegemonialen" Positionen im akademischen Betrieb, wie etwa auch A.V. Wendland, ja auch wieder von sich abhängige Personen oder Personenkreise haben, die sich dann veranlaßt oder genötigt sehen mögen, ensprechende Haltungen und Verhaltensweisen zu kopieren und zu übernehmen - auch im "professionellen" Bereich. Ein solches Vorgehen schadet mir als Person sehr und belastet mich, ist gleichzeitig aber, angesichts des Gegenstandes und den Auswirkungen nichterfolgter Aufarbeitung von Genoziden, wohl auch eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse.

Gemeint waren im Anzeigentext folgende beide Vorgänge:

Am 19.2.2017 schrieb Anna Veronika Wendland (die meine Interaktionen eigentlich gar nicht hätte lesen können, da sie von mir bereits zuvor geblockt worden war) auf der Seite einer dritten Person: "Ach, die Frau Kreiten, die blockt alle, die nicht für die čerkessische nationale Sache mit dem nuklearen Erstschlag drohen.".
Blockiert hatte ich an diesem Tag (anläßlich einer Begegnung im gleichen Thread) kurz zuvor tatsächlich eine eifrige Spahn-Leserin/-Likerin/-Konsumentin (bitte Passendes aussuchen, gemeint ist Tomas Spahn - der im Netz ebenfalls aggressiv vorgehende, Fake News streuende, islamophob und verschwörungstheoretisch auftretende Autor des neurechten Hetzblattes "Tichys Einblick"), die mir gegenüber wiederholt mit Anwürfen, d.h. mürrischen bis aggressiven Kommentaren und unterstellerischen Behauptungen in Erscheinung trat. Auch den hier zitierten Kommentar von Frau Wendland, der eine Reaktion auf die Beschwerde der von mir blockierten spahn-esquen Person war, hatte ich mir noch ohne entsprechende Reaktion gefallen lassen.

Dann hat sich Anna Veronika Wendland einer Schmierkampagne gegem mich angeschlossen, die ein deutscher Mann mit Studienfachkombination Geschichte/Latein(laut eigener Angaben, mutmaßlich als Lehrer an einer öffentlichen Schule tätig) seit nunmehr knapp einem Jahr im Internet gegen mich unter viel kollektivem Beifall führt. Ein frühzeitiges Blockieren nach direkt gegen mich vorgebrachten Aggressionen und Unterstellungen hatte hier bisher nichts genützt. Was den "Rädelsführer" im Einzelnen an Gefühlslagen und Interesse umtreibt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Was Claqueure und Fans betrifft, so liegen da die Verhältnisse ein wenig anders: Ein teils namensgleiches Personal geht auch gegen Andere, etwa den CDU-Politiker Dr. Matthias Zimmer, mit recht klar erkennbarer Motivlage und aufgrund ähnlicher Anlässe wie dem, den ich geboten hatte, vor (es wird dann oft viel von "Blockwart"-Mentalität und "Denunziantentum" gesprochen).

Das diskreditierende Vorgehen gegen mich wird auf folgende Weise vollzogen:
Wenn ich auf meiner Facebookwall Aussagen treffe à la „Ich bin skeptisch gegenüber Ansicht x, wie sie von Person a geäußert wurde" oder "Ich hege Zweifel an der Richtigkeit und Vollständigkeit der Einschätzungen von Person a" bzw.  "Das und das stimmt an Ansicht x und dies und jenes bemängele ich“, dann wandert diese Aussage, wenn ich Pech habe (wenn der Kollege bzw. Lehrer gerade freie Zeit genießt oder vielleicht auch gerade eine gewisse, zu füllende Sinnesleere verspürt oder durch Fernsehnachrichten an die Türkei als meinem Wohnort erinnert wird), auf Sönke Hennings Facebook-Seite und erscheint dort als „Irma Kreiten hat sich für x ausgesprochen“ und wird dort von einer aufgebrachten und sich gegenseitig aufputschenden Fangemeinde als „Das Vertreten von Meinung x ist perfide, bescheuert und krank“ kommentiert. Oder auch: Es wird eine Stellungnahme meinerseits dazu, wie ich den öffentlichen Umgang mit Angelegenheit b finde, als Beleg für „Irma Kreiten ist/kämpft gegen c“ herangezogen.

Was soll man auch tun, wenn man nicht widerlegen und sich nicht auf ernstgemeinte, sachgerechte Argumentationen einlassen kann, weil man sonst (gerade auch als Gruppe) schlecht aussehen würde und sich etwas eingestehen müßte? Man projiziert das eigene (moralische) Versagen, eigene Verhaltensmechanimsen, Schwachstellen, vielleicht auch eigene heimliche Wünsche und Tendenzen, den eigenen Einstellungen verwandte Ressentiments auf dem Gegner/ seinen politischen Kontrahenten und wirft ihm vor, das zu tun, was dieser selbst problematisiert hat. Man stellt auf diese Weise eine Art künstlicher Äquivalent ("tu quoque, Brute")her, die allerdings auf Lügen und Verdrehungen beruht, man stellt schlichtweg Dinge und Verhältnisse auf den Kopf. So wurde auch aus meinem Problematisieren geschichtsrevisionistischer Tendenzen im deutschen akademischen Umfeld inklusive derer einer sehr bekannten und einflußreichen Person in ein Schweigen (oder gar Verschweigen?) meinerseits in Bezug auf Völkermord umgedeutet und wurden dem diktatorische/totalitäre Tendenzen von Irma Kreiten sowie Symptome einer 'Geisteskrankheit' beigesellt, während die entsprechenden Vertreter besagter Thesen dem Augenschein nach völlig unbehelligt von Sönke Henning Tappe leben. 

Dem Fanmob des Herren T. hatte sich Anna Veronika Wendland also am 25.4.2017 zugesellt und schrieb in diesem Zusammenhang (im Zuge von gebündelten Verleumdungen und ehrenrührigen Behauptungen durch eine ganze Reihe anderer Personen) das bereits zitierte "„Ach die Kreiten... die hat mich schon vor Ewigkeiten geblockt (übrigens sonderbarerweise die Einzige, die mich je geblockt hat!), weil ich ihre Sicht der tscherkessischen Nationalidee nicht teile.", damit das Bild von der diktatorischen und totalitären Irma Kreiten um ein paar Facetten ergänzend und bestärkend. 
                             
Frau Wendland muß lernen, daß man Diskussionen, und das gilt erst recht für Auseinandersetzungen akademischer Natur, nicht per Zwang, nicht per Diffamierung/Rufmord, per Einschüchterung, dem Inaussichtstellen von Diskriminierungen und über tatsächliche physische Zermürbung führt. Und daß man auch nicht davon profitiert oder es billigt, wenn andere dies tun, indem man z.B. stillschweigend zusieht oder wegsieht, daß man auch nicht im Nachhinein das einschlägige Verhalten anderer Personen rechtfertigt, schönredet oder rationalisiert oder einfach ungeprüft Einstellungen und Einschätzungen von verleumderisch tätigen Personen übernimmt. Auch sollte meine Kollegin lernen, Argumentationen und Auseinandersetzungen zu ganzen überindividuellen Problemlagen nicht derart zu personalisieren.
 


Freitag, 23. September 2016

So pervertiert* ist die deutsche Öffentlichkeit mittlerweile...

Eine der – was mich und meine Anliegen betrifft - massivsten Hetz- und Störattacken der letzten Wochen war für mich von Sönke Henning Tappe ausgegangen, der sich dabei viel Zuspruchs erfreute und damit de facto zum Trittbrettfahrer neurechter Kreise sowie deren Anti-Maas-Hysterie (es ist mir in diesem Falle egal, ob er zu selbstgefällig und kurzsichtig war, um das selbst zu bemerken!) wurde. Der mutmaßliche Gymnasiallehrer, Kaukasusphotograph und Blogger Sönke Henning Tappe, also genau der Herr, der sich mit einem unkontrollierten online-Verhalten hervorgetan hat, präsentiert sich nun als Bewahrer eines friedlichen demokratischen Gesprächsfeldes. Und es erfolgt kein Einspruch, bzw. kein Hinweisen auf die Inkohärenzen! Auch von gemeinsamen Freunden, die seine Vorgehensweise mitbekommen hatten, nicht...
Hier der für mich eklatanteste post:


Aus dem Text des von Sönke Henning Tappe verlinkten Artikels :

"Wie verhält man sich, wenn man in dem soziologischen Echtzeit-Experiment, das wir "Social Media" nennen, mit scheuerhaften, also rassistischen Äußerungen konfrontiert wird? Rückzug? Entfrienden oder Blocken? Melden? Widerspruch? Die Diskussion suchen? 
In sozialen Medien kristallisiert sich eine Verhaltensweise heraus, die nicht neu ist. Jedoch in einer durchmedialisierten Gesellschaft neue Dimension bekommt: Passivrassismus. So bezeichne ich das Geschehenlassen rassistischer Äußerungen, wo man widersprechen oder gegenhalten könnte, es aber nicht tut. Passivrassismus ist das brüllende Schweigen zum falschen Zeitpunkt, die schmerzhaft fehlenden Widerworte."

"Der Kampf gegen den Hass im Netz beginnt mit dem Kampf gegen den eigenen Passivrassismus, also dem Schweigen gegenüber Rassismus."

"Wer duldet ist mit schuld" - wirklich so gemeint? Zustimmung hierzu ist ja schön und gut, aber was von diesen lobenswerten Bekenntnissen kommt denn auch im realen Leben und der eigenen Praxis an? 

 Das liberale Selbstbild auf die Probe gestellt:

Ich hatte im Mai über facebook versucht, den Rassismus und den Opportunismus des sogenannten "Gedichtes" von Böhmermann zu benennen, zu erklären und ihm entgegenzutreten:



Tappe hatte hierauf sehr persönlich, aggressiv und irrational reagiert und war mir mit lauthalsigem "Zensur"-Vorwürfen begegnet ("netterweise" auf meinen Wohnort bezogen und geschickt von einer deutschen auf türkische Problemlagen ablenkend):










Daß die Böhmermann-Äußerungen - jenseits des konkreten Personenbezugs und der türkischen Regierungspolitik - als rassistisch interpretiert werden konnten, war zu diesem Zeitpunkt längst klar und konnte in verschiedenen Zeitungs- und Blogartikeln nachgelesen werden (z.B. hier). Mittlerweile hat ein deutsches Gericht entschieden, daß Böhmermann die Grenzen der künstlerischen Freiheiten überschritten hat (siehe dazu auch. den ntv-Bericht ""Schmähkritik" wegen Rassismus verboten").Im Wortlaut erklärte das Gericht:

" [...] die fraglichen Zeilen greifen gerade gegenüber Türken oftmals bestehende Vorurteile auf, die gewöhnlich als rassistisch betrachtet werden."

Die berühmt-berüchtigten "Sprechverbote"....

Noch weniger als eine kritische Auseinandersetzung mit der Böhermann-Kritik wollten Tappe und sein - z.T. aus neurechten Islamhassern und Migrationsphobikern bestehender Freundeskreis - aber offenbar, daß eigenes übergriffiges Verbalverhaltenhalten samt verleumderischer Unterstellungen Konsequenzen nach sich zieht. Denn selbst nachdem ich Tappe aufgrund des Torpedieren der Böhmermann-Diskussion auf facebook blockiert hatte, hatte er keine Ruhe gegeben, sich vielmehr dann an einen gemeinsamen Freund gehalten, als dieser einen post von mir geteilt hatte...

Ich hatte mich in diesem Zeitraum von etlichen Leuten auf diese Weise "bearbeitet" gesehen und mir ging das allmählich an die Substanz. Deswegen habe ich mich veranlaßt gesehen, zu härteren Maßnahmen zu greifen und (öffentlich) erwogen, auf andere Weisen Grenzen ziehen, d.h. mich an Herrn Tappes Arbeitgeber zu wenden. Ich sehe hierin nach wie vor nichts Anstößiges (es wird ja impliziert, daß der Arbeitgeber sich an rechtsstaatliche Gesetze und unsere gesellschaftlichen Wertvorstellungen hält), ein Vorgehen über den Arbeitgeber wird auch in Zeitungsartikeln zum Thema Handlungsoption bei Haß und Pöbleien im Netz aufgezeigt, siehe etwa "Melden, anprangern, anzeigen"). Die unmittelbaren Reaktionen der Tappe-Anhänger waren allerdings so heftig wie erschreckend:




Hier jemand, der angesichts eigener migranten- und flüchtlingsfeindlicher Tendenzen genug Grund hat, "öffentliche Bloßstellung und An-den-Pranger-stellen doof" zu finden: 


Dagegen ein sich dezidierter als "liberal" Verstehender:

 











Worte töten nicht, Felix Hau? Dann lesen Sie doch mal die "Einschätzungen zweier Sprachwissenschaftler "Die Sprache von Pegida ist ein Fundement für Gewalt". Oder haben Sie nicht eigentlich auch selbst Kulturwissenschaften studiert, wären da nicht weitere Erklärungen meinerseits ohnehin überflüssig? Und in völligem Verkennen des inhaltlichen Zusammenhangs zwischen Mobbing durch ethnozentrische, muslimfeindliche Vorgesetzte, meinem Arbeitsthema und meinem Unbehagen an der Böhmermann-Satire, schreibt, wenngleich auch nicht ganz so rüde formuliert wie einige der andere Kommentare, ein Robert Morger:




Hier wurden sich, wahrscheinlich in einigen Fällen auch unbemerkt, also insgesamt neurechte Diskursumwertungen und Mimikry- bzw. Verneblungsstrategien angeeignet. Aus dem Eintreten gegen Haß werden damit "Aggression", "Zensur" und "Sprechverbote". Nachdem Presseberichterstattung und soziale Medien in Reaktion auf das Scheitern des Militärputsches in der Türkei - den ein Teil der Freundesriege Tappes am Abend des 15. Juli begrüßt hatte und/oder anschließend als Verschwörung des türkischen Staates deutete - die öffentliche Stimmung weiter aufgeheizt hatten, begann Herr Tappe - in Anknüpfung an unsere vorherigen Auseinandersetzungen, ohne weiteren Anlaß -  eine ausgewachsene Verleumdungskampagne gegen mich zu führen. Dabei versuchte Tappe auch selbst noch einmal, das Vorgefallene und seine fortgeführten Belästigungen und deutlich formulierten, wiederholten Kontaktversuche (natürlich gegen meinen Wunsch) in Aggressionen, "Mobbing" und  Zensurabsichten von Irma Kreiten umzudeuten (von Tappe am 20. Juli 2016 öffentlich auf facebook gestellt): 

  

Wie man von Böhmermann-Kritik psychische Krankheiten bekommt (also Leute:  laßt das besser bleiben...): 

Angeblich haben ihm andere zugetragen, was sich auf meiner Seite so tat - er selbst war ja blockiert und hätte eigentlich gar nciht lesen können, was ich da zu welchen Themen schreibe. Mitgetragen wurde diese Kampagne, die sich über Wochen hinzog und mich schhließlich für einige Tage auch ganz aus facebook hinausgedrängte, von Personen, die mich nicht kannten, mir nie begegnet, nie mit mir gesprochen hatten und folglich, das sagten manche auch selbst, nichts über mich wußten. Wie sich diese Posts und Kommentare gestalteten, kann ich hier aus Platzgründen nur anhand eines kleinen Ausschnittes zeigen - bei anderer Gelegenheit aber evtl. mehr davon. Jedenfalls wurde ein Sammelsurium an Vorwürfen zusammengetragen, die sich, sofern überhaupt politischer Natur, alle mehr oder weniger auf die Türkei und mein (mutmaßliches und tatsächliches) Verhältnis zu Türken bezogen.
Auf dem Höhepunkt der Kampagne demonstrierten Beteiligte dann (soweit nicht offen rechten Kreisen zugehörig, da muß man sich ja weniger Zwang antun) wiederholt und ausgiebig den Verlust der Fähigkeit oder des Willens, Korrelationen herzustellen zwischen dem  formalen Bekenntnis zu akzeptablen Diskussionsweisen und Umgangsformen und den eigenen realen Handlungsweisen. Die sich aus Sicht von Tappe & Konsorten ergebenden Konsequenzen für politische Meinungsdifferenzen, so wie dies aus ihren öffentlichen Bekundungen, Stellungnahmen und Urteilen hervorgeht: Psychiatrisierung und in Aussicht gestellte Entmündigung. Besonders häßlich ist das, da ich tatsächlich an Fibromyalgie erkrankt bin und es bekannt ist, daß Fibromyalgie-Patienten oftmals unter entsprechenden Vorurteilen und Stigmatisierungen leiden - über andere körperliche Gebrechen hätte man sich in diesen Kreisen vielleicht auf ähnliche Weise das Maul zerrissen. 

(Man beachte die schrittweise Eskalation)











Aus einer Art "Brief" an mich vom 21. Juli 2016, von Tappe formuliert (zur Sicherheit: das Stichwort "Geisteskrankheit" stammt aus meiner Beschreibung der tappeschen Hetz- und Diffamierungsstrategien, ich habe meinerseits keine Geisteskrankheits-Vorwürfe an ihn oder sein Umfeld getätigt) und auf facebook eingestellt:







(Zu den "wohlmeinenden Aktivistengruppen" eines Tobias Weihmann - antideutsches Umfeld, und ÖkoLinX-Splitterpartei - wie auch zu seinem eigenen Umgang mit Kritik und Widerspruch - "sensibel" träfe es ganz gut-, einem merkwürdigen Verständnis von Zusammenarbeit und Kooperation und etwaigen Gedächtnislücken Weihmanns in Bezug auf die Frage, wer warum welches Gespräch abgebrochen hat, ließen sich wohl auch noch ein paar Worte sagen, dies aber evtl. an anderer Stelle....)
Aus dem thread zu einem weiteren "Kommentar" Tappes vom 1. August:





Das frühzeitige Erkennen der "Zeichen" (ich würde da andere, nämlich politische, Warnzeichen erkennen wollen....):

 
Auch noch nett, aber - dem Leser sei es versichert - auf mich bezogen, nicht etwa auf die sich offenbarenden  Gruppendynamiken und eine fehlgesteuerte Facebook-Schwarmintelligenz: 




Zitierkunst, Wahrheit und Dichtung eines Historikerkollegen:

Gegen Ende möchte ich dann aber, weil ich mich hier ausgehend vom Spiegel-Artikel über Hetze im Netz nicht auf das Inhaltliche (die unterstellerischen, ehrenrührigen Behauptungen...), sondern die Form konzentriert habe, doch noch einen kleinen Eindruck von der Liebe zur wahrheitsgemäßen Darstellung und den Zitierkünsten des - nach eigenen Angaben studierten Historikers - Sönke Henning Tappe bieten:



  (gleichzeiitg der einzige direkte Einwand in der ganzen Kampagne, danke an Immo Moshagen)

Tatsächlich geschrieben und gepostet hatte ich folgendes, von dem aus dann Tappe sein "nahezu wörtliches Zitat" angefertig hatte:


(zu sehen sind u.a. Haßkommentare gegenüber zwei bekannten Islamwissenschaflern, wer sich das Original samt screenshots ansehen will, kann das gerne hier tun):

Und Helga Leutnecker, die sich mit eigenen Kommentaren an Tappes Vorgehensweise gegen mich beteiligt hatte, schreibt selbst in später Einsicht (nicht, daß sie sich in irgendeiner Form bei mir entschuldigt, zumindest hier auf abträgliche Charakterisierungen verzichtet, oder an Ort und Stelle etwas geradegerückt hätte.....):


Nun ja, es freut mich trotzdem, wenn noch nicht alle das Lesen und Verstehen im eigentlichen Sinne aufgegeben haben.

_____________________________________________
 * Bedeutung des Verbs "pervertieren" laut Duden:

1. verderben, verfälschen, ins Gegenteil, ins Negative verkehren
2. sich in etwas Negatives verkehren, verfälscht werden

Sonntag, 7. Februar 2016

Presseratsbeschwerde: TAZ - Interview mit Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber über "Blutrache"

Am 6.2.2016 wurde von mir folgendes Schreiben an den Presserat versandt:

                                                                                                  



                                                                                                      Istanbul, den 6.2.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

Hiermit möchte ich Beschwerde einreichen im Sinne des Pressekodex und bitte Sie, die notwendigen Überprüfungen vorzunehmen.

Beanstandete Veröffentlichung

Titel: Psychologin über Blutrache. „Eine grandios-narzisstische Geste“. Womit wird die Selbstjustiz gerechtfertigt? Die Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts über Gerechtigkeit und kollektive Kränkungen.

Genre: Interview

Verantwortlicher Journalist/Interviewführung: Johannes Pitsch

Interviewte: Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber (Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt/Main)

Datum: 7.2.2015 (ohne Uhrzeitangabe)

Erscheinungsort: die tageszeitung (TAZ), online unter: http://www.taz.de/!5021542/

Grund der Beanstandung

Diskriminierung von Minderheiten/volksverhetzende Wirkung


Begründung:

Das Interview verfolgt offenkundig das Ziel, die Charlie Hebdo-Attentate in einen weiteren soziopolitischen Rahmen einzuordnen und im Rückgriff auf wissenschaftliche Theorien der Öffentlichkeit in ihren Ursachen verständlicher zu machen – und damit auch indirekt Anregungen für künftige Präventionsarbeit zu geben. Durch die Taz selbst (Überschrift, Unterzeile, Fragestellungen, Bildunterschrift) wird hierbei von Anfang an das Phänomen des internationalen Terrorismus, das sich gegen staatlich organisierte Gesellschaften richtet, primär als Kommunikationsstrategie zu verstehen ist und weitgehend ein Phänomen der Moderne bzw. Postmoderne darstellt, mit der Institution der Blutrache vermischt und diese dann wiederum mit individualpsychologischen Zuständen und gruppenpsychologischen Phänomenen (im Text: „Wut“, „Rache“, „Kränkungen“) in Verbindung gebracht.

„Blutrache“ ist üblicherweise ein Forschungsgebiet für Ethnologen oder historisch arbeitende Kulturwissenschaftler, es handelt sich bei ihr um einen Mechanismus zur Konfliktaustragung und -beilegung, wie er für segmentäre bzw. staatsferne Gesellschaften typisch ist. Sie folgt einem mündlich überlieferten, teils auch schriftlich fixiertem Kodex, dient der Herstellung bzw. Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Normen und Ordnungen unter Bedingungen der Abwesenheit eines zentralstaatlichen Gewaltenmonopols und hebt sich damit von außergesetzlichen Willkürakten („Selbstjustiz), die gegen eine bestehende gesellschaftliche oder staatliche Ordnung gerichtet sind, ab. Die Blutrache ist Bestandteil eines Rechtssystems, auch wenn dieses westlichen Gesellschaften - mittlerweile - fremd erscheinen mag und die Blutrache selbst modernen rechtsstaatlichen Prinzipien zuwiderläuft. Demzufolge kann man sehr wohl – jenseits kulturrelativistischer Befindlichkeiten - die Sinnhaftigkeit der entsprechenden Normen und Regeln hinterfragen oder sogar deren Abschaffung fordern, sollte man aber konzeptual zwischen „Terrorismus“ als politischem Phänomen, „Blutrache“ als innerhalb bestimmter Gesellschaftsformen vertretener soziopolitischer Institution und individual- oder gruppenpsychologisch motivierten Straf- und Gewalttaten trennen.

Eine Ineinssetzung bzw. Inbezugsetzung , wie sie in der TAZ de facto vorgenommen wird, knüpft an veraltete, wissenschaftlich diskreditierte Lehren aus dem 19./ beginnenden 20. Jahrhundert an, insbesondere an die Völkerpsychologie in ihrer Verbindung mit Kulturevolutionismus. Im Kern beinhalteten diese Lehren die Vorstellung einer Stufenabfolge menschlicher Zivilisation und das Postulat, daß andere (außereuropäische) Völker auf früheren Evolutionsstufen ständen. Man glaubte, daß die Völker, mit denen man im Zuge der Kolonialisierung in Kontakt gekommen war, in Bezug auf westeuropäische Gesellschaften sozusagen „lebendige“ Vergangenheit seien und sich im Vergleich mit den moderneren ,fortgeschritteneren Europäern durch eine mangelnde geistige/intellektuelle und emotionale Reife auszeichnen würden und etwa auch – in einer Parallele zur kindlichen Entwicklung – durch mangelnde Affektkontrolle auffielen. Institutionen wie „Blutrache“ in diesem Sinne als „kulturelle Regression in archaische Zeiten“ (Leuzinger-Bohleber) darzustellen, wie dies in der fraglichen TAZ-Veröffentlichung geschieht, gilt in der heutigen Ethnologie nicht mehr als angemessen. Des weiteren werden die von Redaktion und der Interviewten vorgenommenen Verknüpfungen auch nicht näher explifiziert bzw. mit Bezugnahme auf konkrete Sachzusammenhänge hinreichend begründet.

Vor diesem theoretischen Hintergrund oder Setting, das, soweit ersichtlich, von der TAZ selbst so gewählt wurde, werden im Verlauf des Interviews ethnisch und religiös definierte Kollektive in die Nähe von Straftaten bzw. terroristische Akte oder deren Gutheißung gerückt. Ich beziehe mich im folgenden konkret auf die Aussagen, die auf „Tschetschenien“ und „muslimische Gläubige“ in Tschetschenien bezogen sind, da hier mein eigenes Arbeitsgebiet und meine Fachkompetenzen am stärksten berührt sind. Die entsprechende Passage wird eingeleitet durch die explizite Frage des TAZ-Journalisten nach „Kränkungen“ und „kollektivpsychologische[n] Ursachen“ für die Tatsache, daß andernorts (in der TAZ-Veröffentlichung geographisch und religiös konnotiert, wie etwa die Formulierung „in der muslimischen Welt“ und die Bildunterschrift „In Afghanistan zeigt sich die Wut von Demonstranten gegen „Charlie Hebdo“” belegen) die Anschläge auf Charlie Hebdo „als verhältnismäßig wahrgenommen“ worden seien. Ich zitiere:

Johannes Pitsch:
Die Attentate stießen nicht überall auf Unverständnis, sondern wurden als verhältnismäßig wahrgenommen. Könnten die Kriege des sogenannten Westens in der muslimischen Welt und die Dämonisierung des Islams kollektivpsychologische Ursachen dafür sein?“
Marianne Leuzinger-Bohleber:
Ja, so gab es zum Beispiel in Tschetschenien Demonstrationen gegen Charlie Hebdo, in denen muslimische Gläubige die Karikaturisten beschuldigten, den Propheten und damit gläubige Muslims beleidigt zu haben. Dadurch trügen sie eine Mitschuld an ihrer Ermordung. Bei diesen Demonstranten spielen vermutlich die kollektiven Kränkungen durch die „Kriege des sogenannten Westens“ gegen Irak oder islamistische Terrorgruppen wie die IS durchaus eine Rolle.“
Auf einer faktischen, pragmatischen Ebene ist diese Darstellung verzerrend, da sie die Repressivität des Kadyrow-Regimes und damit die „Freiwilligkeit“ derartiger Demonstrationen ignoriert und dadurch – weitgehend im Sinne Putins – eine scheinbare Mehrheit an Tschetschenen zu „Terrorismusverstehern“ macht. Angesichts der Tatsache, daß die tschetschenische Exilregierung über ihren Vertreter Akhmed Zakayev die Attentate umgehend als „brutal“ und „inhuman“ verurteilt hatte und überdies noch betonte, daß Tschetschenen sehr gut nachvollziehen könnten, was es heiße, wenn im Zuge eines Streben nach Freiheit und Demokratie Journalisten und Menschenrechtler Gewalttaten zum Opfer fielen, mutet die Herstellung eines Zusammenhangs zu einer „tiefe[n] Enttäuschung an westlichen Werten“ (Leuzinger-Bohleber) hier geradezu grotesk an. Damit werden politische Zusammenhänge entstellt wiedergegeben, bis hin zu ihrer Verkehrung ins genaue Gegenteil.
Auf einer theoretisch-analytischen Ebene fällt auf, daß die Darstellung Leuzinger-Bohlebers an kolonialrassistische Stereotypen des 19. Jahrhunderts anschließt, insbesondere an die des „rachsüchtigen Tschetschenen“. Der Topos des gewaltaffinen, kriminellen und unbeherrschten Nordkaukasiers reicht zurück in die Zeit der Eroberung des Kaukasus durch das Zarenreich. In deren Zuge haben sich tiefsitzende kulturelle Codes herausgebildet, die auch dann aktiviert werden, wenn sich der Verwender deren Implikationen nicht oder nicht voll bewußt ist. Das Bild des unbeherrschten und unbeherrschbaren, rachsüchtigen, impulsiven Nordkaukasiers hatte u.a. die Funktion, die ordnungsstiftende und zivilisierende Rolle der russischen Militärverwaltung hervorzuheben und damit die russische Eroberung zu legitimieren. In seiner Extremform bildete es Teil genozialer Diskurse, diente der Vorbereitung, Durchführung und nachträglichen Rechtfertigung einer Politik der Massaker, der Hungerblockade, der Vertreibungen und der (zumindest kulturellen) Exterminierung. Heutigen Nordkaukasiern sind diese diskursiven Zusammenhänge durchaus noch präsent.

In Anbetracht dieser Tatsachen möchte ich Sie bitten, zu überprüfen, inwiefern hier, d.h. insbesondere mit dem Rekurs auf kolonialrassistische Stereotypen, Ziffer 1 („Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde“), Ziffer 10 („Religion, Weltanschauung, Sitte“) und Ziffer 12 („Berichterstattung über Straftaten“) des deutschen Pressekodexes verletzt wurden. Meines Erachtens wird im vorliegenden Interview mittels verzerrender Fragestellungen und Deutungsweisen ein - sachlich nicht gegebener Zusammenhang - zwischen tschetschenischer „Mentalität“ (so möchte ich Leuzinger-Bohlebers Ausführungen hier einmal sinngemäß zusammenfassen) und einem terroristischen Verbrechen hergestellt bzw. ein solcher zumindest dem Leser gegenüber insinuiert. Mit dem vorliegenden Interview wird ethnische und religiöse Stereotypenbildung befördert und werden bereits vorhandene Vorurteile gegenüber den erwähnten Gruppen geschürt und „wissenschaftlich“ bestätigt. Die Veröffentlichung ist damit, gerade zu Zeiten von Bewegungen wie Pegida, geeignet, ein friedliches Zusammenleben innerhalb Deutschlands zu gefährden und dort volksverhetzende Wirkung zu entfalten. Ich sehe die Aufgabe von Medien gerade auch in der Aufklärung über derartige Sterotypen und Klischees und deren ideengeschichtliche Herkunft wie auch deren aktuelle politische Nutzbarmachung (Instrumentalisierung) und bin der Ansicht, daß hier das vorliegende Interview einen gegenteiligen Effekt hat.

Mir ist bewußt, daß Interviews oftmals die Funktion haben, die „Meinungen“ und Positionen bestimmter Personen abzubilden, unabhängig davon, ob diese Meinungen und Positionen nun faktisch korrekt bzw. nachvollziehbar oder ethisch teilbar sind, sowie daß hier dann entsprechend das Gebot der Meinungsfreiheit greift. Allerdings handelt es sich meiner Auffassung nach im vorliegenden Fall weniger um ein personenbezogenes, denn um ein sachzentriertes Interview. Das Interview hat die Gestalt einer Kommentierung bzw. Analyse des Zeitgeschehens aus Expertensicht und konzentriert sich gerade nicht darauf, eine bestimmte Wissenschaftlerin und die von ihr betriebene Forschung vorzustellen. Berücksichtigt werden sollte auch, daß Aussagen von Akademikern in einer modernen Informationsgesellschaft für gewöhnlich ein besonders hohes Maß an Autorität und Legitimität besitzen, einem allgemeinen Publikum „Wahrhaftigkeit“ signalisieren und daß ihnen hiermit in besonderem Maße eine meinungsbildende Wirkung zukommt.

Meiner Auffassung nach hat die TAZ auch selbst in erheblichem Maße ihre eigene Sorgfaltspflicht (Ziffer 2, Pressekodex) verletzt. Daß in der Interviewführung bedeutsame Fehler gemacht wurden, wurde hier bereits in der Form angesprochen, daß der Interviewer mit seinen Fragen und Stichworten bereits selbst einen einen fragwürdigen Rahmen absteckt. Frau Leuzinger-Bohleber hat sich bedauerlicherweise an etlichen Stellen (nicht überall) hierauf eingelassen. Hiermit in Zusammenhang stehend ist zu beobachten, daß die im Interview berührten Themengebiete zu einem beträchtlichen Teil nicht mit den Fachkompetenzen bzw. dem akademischen Profil der Interviewten übereinstimmen, die konkrete Themenstellung für eine Psychologin eher ungeeignet und unvorteilhaft war. Zu bemängeln ist insbesondere, daß die TAZ weder durch Nachfragen während des Interviews noch durch eine nachträglich hinzugefügte Begleitnotiz kenntlich gemacht hat, wo sich Frau Leuzinger-Bohleber als Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts äußert und wo sie lediglich ihrer persönlichen, auf Laienurteilen basierenden Meinung Ausdruck verleiht (wie eben in oben zitierter Passage zu Tschetschenien). Für den Laienleser dürfte damit kaum nachvollziehbar sein, welche der im Interview getroffenen Aussagen denn auch tatsächlich wissenschaftlich untermauert sind. Auch sollte Wissenschaftsjournalismus, und hierum handelt es sich strenggenommen, auf wissenschaftliche Standards Rücksicht zu nehmen und veraltete Theorien nicht einem allgemeinen Publikum als aktuellen Kenntnisstand anbieten.

Auf die Mängel des Interviews aus fachlicher Sicht war die TAZ von mir bereits in Kurzform, u.a. per email, bereits hingewiesen worden, hat hierauf aber nicht reagiert bzw. sogar entsprechende Leserkommentare meinerseits einfach gelöscht, so daß zusätzlich fraglich ist, ob die TAZ hier nicht ihre Pflicht zur Richtigstellungverletzt hat (Ziffer 3 „Richtigstellung“ , evtl. zusätzlich Ziffer 2.6 „Leserbriefe“, Ziffer 2.7 „Nutzerbeiträge“ des Pressekodexes). Diese Nichtkorrektur dürfte auch praktische Relevanz haben insofern, als Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber u.a. in der Traumaarbeit mit Flüchtlingen tätig ist. Sie und andere sollten auf die – zugegebenerweise bei uns noch wenig bekannten – entsprechenden Klischees und Stereotypen sowie deren kolonialgeschichtliche Herleitung hingewiesen werden. Ansonsten besteht Gefahr, daß Flüchtlinge aus der Rußländischen Föderation und Syrien (dort existierte bislang eine nordkaukasische Diaspora) in deutschen Hilfseinrichtungen bzw. von Psychologenseite mit genau denjenigen Stereotypen und rassistischen Klischees konfrontiert werden, die in ihrer Heimat nicht nur weitverbreitet sind und dort für ein feindseliges Klima sorgen, sondern unter Umständen sogar als Rechtfertigung für Repression, Verfolgung und Folter gedient haben.

Da die von mir hier angesprochenen Sachverhalte und Zusammenhänge bzw. die Themengebiete, die von meinen Ausführungen berührt werden, einer allgemeinen Öffentlichkeit eher unbekannt sein dürften, habe ich mir erlaubt, als Ergänzung zum gegenwärtigen Schreiben meine Kritikpunkte an der fraglichen Publikation noch einmal gesondert in einem Blogtext (abrufbar unter: http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.com.tr/2016/02/der-rachsuchtige-tschetschene-wie-die_6.html) zu benennen. Bitte beachten Sie, daß Sie dort auch die entsprechenden Belege und Verweise auf die Fachliteratur finden.



Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,

                                                                      Irma Kreiten, Historikerin und Ethnologin (M.A.)

Mittwoch, 18. Februar 2015

"Bestrafungsaktion" von der TAZ - Maulverbot für Kritik an schlechtem Journalismus?

1. Am  26.1.2014 hat mich die taz kommentarlos von ihrer Facebook-Seite herausgeworfen für wohl allzu offene Kritik an Anna Lehmanns Artikel "Anti-Rüstungsforschung an Hochschulen. Friedensbewegung reloaded". Ich hatte insbesonder auf Reiner Brauns Tätigkeit für die iranische Lobbyorganisation CASMII hingewiesen und auf Dietrich Schulzes moralische Legitimierung von Putins Krimannexion (siehe auch hier) sowie dessen Vorliebe für die Weltuntergangs-Szenarien des Neoeurasien-Propgandisten Michel Chossudovsky und Infos aus dem Umfeld des amerikanischen Verschwörungsfan und Teaparty-Idelogen Ron Paul (vermittelt über den von Schulze in jüngster Zeit offenbar gern zitierten Wolfgang Effenberger). Der Autorin hatte ich diese Zusammenhänge zuvor schon per email samt Nennung seriöser Quellen (u.a. Udo Baron) nahezubringen versucht, sie hatte daraufhin nicht reagiert und - so zeigen die Folgeartikel - auch gedanklich dichtgemacht. Offenbar sind die Beziehungen Lehmanns zu den beiden Hauptexponenten der sogenannten "Zivilklauselbewegung" Dietrich Schulze und Reiner Braun (ja, genau der Reiner Braun, der seit Monaten maßgeblich die rotbraune sogenannte "Friedensbewegung" vorantreibt) weiterhin gut. Auf Dietrich Schulzes "Zivilklausel"-Chronik erschien fast zeitgleich mit dem oben zitierten TAZ-Artikel ein Eintrag, demzufolge dieser freundliche taz-Artikel auf einem persönlichen Gespräch mit ihm und Reiner Braun beruhe. Kurze Zeit darauf wurde das abgeändert in ein "aufgrund Infos von Reiner Braun und Dietrich Schulze", d.h., ein persönliches Zusammentreffen im Rahmen des Zivilklausel-Vernetzungstreffens wurde damit verschleiert. 

Ich vermute, daß man nun auch im Rahmen des neu aufgelegten "Hochschulwatch"-Projektes von taz und Transparency International hinter den Szenen entweder direkt kooperiert oder doch zumindest gemeinsam am gleichen Strang zieht - insofern, als man den gleichen Kreisen angehört, deren Mitglieder und Verbündete sich gegenseitig stärken, sich die Themenbälle zuspielen und gemeinsam gegen Kritik und das Aufdecken unwürdigen Verhaltens in den eigenen Reihen mauern. Das Übereinkommen der Interessen von taz, Junge Welt und dem Schulze-Braun-Umfeld im Rahmen von "unileaks" und dem thematisch verwandten "Hochschulwatch", das gegenseitige Aufgreifen und thematische Befeuern ist jedenfalls für die, die es sehen wollen, nicht schwer zu erkennen.


Aktueller Ausschnitt aus Dietrich Schulzes "Zivilklausel"-Chronik: Junge Welt-TAZ-ZEIT-Hochschulwatch
Leider scheint sich sogar die ZEIT an diesem Projekt beteiligen bzw. dieses durch positive Berichterstattung unterstützen zu wollen, womit dieses Presseorgan samt Zeit-Briefkasten dann eventuell (nicht zwingenderweise!) ebenfalls als Korrektiv wegfällt. Diese Befürchtung drängt sich mir insbesondere auch deswegen auf, weil die ZEIT selbst ebenfalls mit dem Whistleblower-Netzwerk kooperiert, das wiederum dem weiteren Umfeld von Reiner Braun zuzurechnen ist und über dessen Vorstand Prof. Dr. Johannes Ludwig auch mit direkten Abhängigkeiten von der Öffentlichkeitsarbeit der russischen Regierung (hier eine kleine Kostprobe davon, mehr dazu an anderer Stelle) in Verbindung zu bringen ist.

 2. In der Online-taz konnte ich nach dem Herauswurf von der Facebook-taz noch kommentieren. Mittlerweile geht auch das nicht mehr. Das aktuelle Verschwinden von Kommentaren hat dort begonnen mit zwei bissigen Bemerkungen dazu, daß im taz-Interview "Psychologin über Blutrache. "Eine grandios-narzisstische Geste"" fachfremd eine Psychologin rassistische Klischees über Tschetschenen und sogenannte "archaische" außereuropäische Kulturen verbreiten konnte und dabei vom Interviewer noch kräftig mit den entsprechenden Stichworten und Suggestivfragen befeuert wurde (auf manche dieser Steilvorlagen läßt sich Marianna Leuzinger-Bohleber nicht ein, auf andere dann leider doch). Ich schildere das hier, weil ich nicht sicher sein kann, ob dieser Vorfall oder meine kritische Stellung zur Zivilklausel-Bewegung der taz den ausschlaggebenden Grund für ihre aktuelle Blockadehaltung geliefert hat oder irgendwann bei der online-Redaktion das erträgliche Maß an Berichtigungen, Sachergänzungen und inhaltlicher Kritik voll war.

Geführt hatte das unappetitliche Interview ein Johannes Pitsch, zu dem in der taz keinerlei personenbezogene Infos abrufbar sind. Ein wenig Suche ergibt einen Johannes Pitsch, der bis 2014 für ein Feinkost-Catering Unternehmen tätig war und sich seit Sommer letzten Jahres nun als freier Mitarbeiter bei u.a. der Frankfurter Rundschau versucht. Bei der FR scheint Pitsch nur wenige Wochen tätig gewesen zu sein, die Archivsuche fördert einen einzigen Artikel zu Tage, der sich eines von der Schließung bedrohten Karneval-Vereinsheims annimmt. Mir ergibt sich hierdurch das Bild, daß der mutmaßlich identische taz-Autor weder über eine journalistische Ausbildung verfügt noch auf ein hinreichendes Lernen aus der Praxis zurückblicken kann, um sich sensiblen interkulturellen Themen auf halbwegs seriöse Weise nähern zu können. Der Johannes Pitsch der taz hat bislang - abgesehen von besagtem Interview - zu einem Wäschereiservice, britischen Schoko-Ostereiern, einem deutschen Rapper, eine Halbsatire auf SM-Spielzeug, den bulgarischen Käsekuchen-Anreiz und dergleichen mehr geschrieben. Er wäre wohl vorerst besser auch bei dieser Sparte des Unterhaltungs-Journalismus mit seinen Meldungen zu Skurrilitäten und Merkwürdigkeiten geblieben.

Als besonders empörend und beschämend empfinde ich, daß somit in besagtem taz-Interview zwei völlig Fachfremde die phantastischsten Klischees, die man u.a. auf den Kolonialrassismus und die Völkerpsychologie des 19. Jahrhunderts zurückführen kann, einem Laienpublikum als "Expertenwissen" verkünden. Ich dagegen habe von der taz noch nie die Chance erhalten, mein Fachgebiet entsprechend breitenwirksam darzustellen. Obendrein hindert mich die taz-Online-Redaktion nun auch noch systematisch daran, mich als gewöhnlicher Leser zu äußern und meine Empörung über sachlich falsche und tendentiell volksverhetzende Darstellungen zu schildern. Hier begeht die taz offenbar Image-Pflege auf Kosten von Meinungsfreiheit und auf Kosten eines sachlichen, ausgewogenen Informierens ihres Publikums. Schlechter Journalismus soll wohl nicht als schlechter Journalismus erkannt und Rassismus nicht als Rassismus benannt werden. Welch üble kolonialrassistische Klischees in diesem Interview bedient wurden, wie abstrus die vertretenen Ansichten sind und wie sehr die Ausführungen auf einer fast vollständigen Begriffsverwirrung beruhen, werde ich ebenfalls - soweit mir dies angesichts meines Gesundheitszustandes noch möglich sein wird - in einem getrennnten Post samt Verweis auf die entsprechenden rechtsethnologischen Fachkonzepte, die gängige wissenschaftliche Sekundärliteratur und russische Quellenzitate zum vermeintlich "rachsüchtigen" und "kriminellen" Nordkaukasier als solchem erläutern. 

Ob die taz von Ursprung und Tendenz der im Interview getroffenen Behauptungen Kenntnis hatte oder nicht, ist letzendlich genauswenig von Bedeutung, wie es von Bedeutung ist, ob ein Ken Jebsen in der Lage und willens ist, den eigenen Antisemitismus als Antisemitismus zu erkennen oder der deutsche gewöhnliche Mittelstandsrassist in der Lage ist, sein Bild vom "Neger" kritisch zu hinterfragen. Daß seit dieser "Kaukasus-Episode" mit der taz auch andere Kommentare von mir nicht mehr erschienen sind, hatte ich schon bemerkt, wollte dem aber keine allzu große Bedeutung zumessen und hatte abgewartet, ob sich das Problem nicht von alleine behebt. Schließlich wird in der taz ja oft genug sichtbar darauf hingewiesen, wenn Kommentare nicht die Standards der Netiquette erfüllen. Selbst in Bezug auf wüste Putinisten-Pöbeleien gegen taz-Autoren ist man da eigentlich recht großzügig, anstößige Kommentare werden gekürzt freigeschaltet oder zumindest mit "Kommentar gelöscht"markiert. Auch bei einer möglichen Sperre des Nutzerkontos würde ich davon ausgehen, daß die taz diese mitteilt und begründet. Aber mein Konto ist ja auch nicht gesperrt, meine Kommentare gehen lediglich ins Leere.

3. Gestern nun ist in der TAZ ein Artikel zu dem Drittmittel-Problem deutscher Universitäten veröffentlicht worden. Dieser hatte mich vor allem deswegen interessiert, weil es sich bei ihm um einen Gast-Beitrag eines Professors handelte, der deutlich erkennbar aus eigener (schlechter) Erfahrung spricht, das Geschilderte intelligent beobachtet hat und unter dem Titel "Der Geist des Geldes" auch kein Blatt vor den Mund nimmt. Ich dachte, dies sei eine Gelegenheit dazu, auf ein eng verwandtes Thema aufmerksam zu machen, das bisher von fast allen Medien ignoriert worden ist: Der Austausch seriöser Genozidforschung durch einen Sasek-nahen Querfrontdiskurs und das dortige abstrakte Kritisieren von Verschwörungstheorien und Querfrontideologien unter Ausklammerung der eigenen Institution, so geschehen an der Universität Tübingen. Ich zitierte eine Passage aus dem Artikel selbst und schrieb:

"„In demselben Maße, in dem die Universität auf messbare Nutzenmaximierung getrimmt wird, produziert sie Nutzloses und Uninteressantes.“ - Mit dazuzurechnen zu diesem Phänomen wäre wohl auch, daß die universitäre Selbstanpreisung gerne maximale Orientierung an aktuellen gesellschaftlichen Problemkomplexen verspricht, diese vermeintliche Relevanz und Anwendungsorientiertheit dann auch immer wieder äußerst medienwirksam zu betonen weiß, im Zweifelsfall aber vornehme Zurückhaltung geübt wird bzw. man offensichtlich zurückschreckt vor einer wirklichen Intervention in gesellschaftliche Debatten dort, wo diese heikel sind und tatsächlichen Einsatz erfordern würden. Letztendlich findet der Zwang zur Orientierung an im politischen Diskurs bestimmten Interessen seine Ausformung in einer maximalen politischen Unverbindlichkeit und Flexibilität, die intellektuelle Verantwortung gerade nicht stärkt, sondern schwächt. So zumindest stellt es sich mir von außen dar, wenn sich etwa die Universität Tübingen einen prominenten Medienwissenschaftler leistet, der aktuell immer wieder einem breiten Publikum die Gefährlichkeit von Verschwörungstheorien auseinandersetzt und vor einem Dialog- und Kommunikationsinfarkt warnt, derselbe Akademiker aber (zumindest bisher noch) keinerlei Regung zeigt angesichts der Tatsache, daß an seiner eigenen Universität eben diese von ihm kritisierten Verschwörungsideologien mittlerweile sogar in den Lehrplan einfließen ( http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.com.tr/2015/02/herr-porksen-auch-ihrer-universitat.html). Mich erinnnert das an die alte Karikatur der Ballettänzerinnen, die drinnen im Übungssaal die verrücktesten Sprünge und Drehungen hinbekommen, bei Verlassen des Saals dann aber nicht wissen, wie sie auch nur über eine kleine, bescheidene Pfütze vor dem Gebäudeeingang hinwegkommen – man könnte sich ja das Gewand schmutzig machen." 




Auch dieser Kommentar, der ja weder Kritik an der taz noch am Artikel selbst enthält, die Aussagen und Feststellungen des Autors vielmehr bekräftigt und bestätigt, erschien nicht. Ich habe daraufhin das getan, was die TAZ bei Nichterscheinen von Kommentaren empfiehlt: Ich habe ein email an kommune@taz.de geschickt.


 Hierauf hat man, wie das in Kreisen, die ihre eigene Lobbytätigkeit (und/oder ihre eigene politische Befangenheit sowie parteiisches Verhalten) oder unprofessionelles Verhalten bzw. beides verschleiern, so gang und gäbe ist, NICHT reagiert. Ich muß damit davon ausgehen, daß die TAZ hier eine nicht als solche erklärte Bestrafungsaktion für nichtkonformes und ihr nicht genehmes Verhalten durchführt bzw. auf eine Weise Revanche übt, die anhand der eigenen Standards nicht rechtfertigbar ist und deswegen nur mit Schweigen beantwortet werden kann. Man vertraut einfach darauf, daß sich der/die Betroffene angesichts übermächtiger und noch dazu von außen nur schwer als solcher erkennbarer Machtstrukturen nicht wird Gehör verschaffen und damit ihr Recht erkämpfen können, oder der eigenen Blick ist derart vernebelt, daß man die Anliegen weniger dreist und massiv agierender Personen und Personengruppen gar nicht als solche wahr- und ernstnehmen kann..

Zynischere Gemüter könnten sich auch überlegen, ob ein Herr Bröckers, der nach wie vor etliche Funktionen für die TAZ ausübt und dort u.a. für das Marketing zuständig ist, von meinen Online-Aktivitäten Kenntnis erhalten hat und mit meiner Kritik an ihm und seinem Liebling Dr. Daniele Ganser (Thema meines nicht erschienenen jüngsten Kommentars) nicht zurechtkommt, dementsprechend auch über die taz-Community seinen Einfluß geltend macht. Und by the way: Bröckers neuester Blogeintrag preist gerade den auch bei Dietrich Schulze offenbar so beliebten Wolfgang Effenberger an. Wichtel sind ja bekanntlich sehr empfindlich, was Kritik an ihren Ideologiegebäuden betrifft. Ich denke jedoch, daß eine sehr viel naheliegendere und plausiblere Erklärung für das Verhalten der taz der konkrete Inhalt meiner Kommentare zur Zivilklauselbewegung und deren prorussischer Ausrichtung liefert sowie das Benennen von abstrusen rassistischen Pseudotheorien als solche; hierauf war dann ja auch entsprechend zeitnah reagiert worden. So lange, wie die taz selbst sich hierzu nicht äußern will, steht es anderen jedenfalls wohl frei, hier über unlautere Beweggründe, insbesondere lobbyistische Einflußnahmen und den offensichtlich vorhandenen Korpsgeist von Querfrontnetzwerken zu spekulieren.

4. Auf den schlechten persönlichen Stil von Anna Lehmann ("unileaks"-Projekt der TAZ), ihr mangelndes Verständnis von Informantenschutz im Sinne eines fairen, offenen und verbindlichen Umgangs sowie die ausbleibende Rechercheleistung bei Vornanstellung der eigenen politischen Gesinnung und Loyalitäten werde ich - sofern ich noch Gelegenheit dazu haben werde - demnächst noch detaillierter eingehen. Offenbar ist man sich bei der taz gar nicht bewußt, wie sehr man mit dieser Art von PR für totalitäre Zusammenhänge anderen Menschen schadet und auch obendrein noch verhindert, daß sich von Querfrontstrukturen und Totalitarismus-Propagandisten Geschädigte Gehör verschaffen und möchte das auch nicht wissen. Auch stillschweigend wird hier nichts korrigiert. So wird auch im Lehman-Artikel "Transparente Forschung.Wenn VW die Studie bezahlt" vom 13.2.2015 Dietrich Schulze wieder wohlwollend als pazifistische Autorität zitiert. Die taz verleiht damit zum wiederholten Male denjenigen das Wort, die zwar landauf landab als Propagandisten einer sogenannten "Friedensbewegung" aktiv sind, selbst aber im konkreten Verhalten keinerlei demokratisches oder gar völkerrechtliches Verständnis aufweisen und erst recht keine Achtung vor Forschungsfreiheit haben, bei denen Worte und tatsächliche Position auf der politischen Skala auf extremste Weise auseinanderklaffen

Dietrich Schulze, dessen Darstellungsweisen Anna Lehmann offenbar völlig unhinterfragt und 1:1 übernimmt, steht auch mit seiner eigenen Biographie in merkwürdigem Gegensatz zu der nachfragefreien Berührungskontaminations-Logik, derer er sich beim Anprangern und Skandalisieren anderer Wissenschaftler  bedient. Dietrich Schulze selbst hat jahrzehntelang am Forschungszentrum Karlsruhe (dem heutigen KIT) gearbeit, seinen eigenen Artikeln zufolge (auch hier) noch dazu in einem extrem antisemitischen Umfeld. Trotz intensivster Suche ist es mir nicht gelungen, im Netz irgendeinen Hinweis darauf zu finden, daß Schulze sich konkret für Léon Grünwald eingesetzt hätte - einen Karlsruher Kollegen, der aufgrund seiner jüdischen Wurzeln von einem Ex-Nazi als Vorgesetzten offenbar drangsaliert und schließlich hinausgeekelt worden war. Dietrich Schulze beruft sich aktuell nur zu gerne mit moraltriefender Trivialrhetorik auf u.a. Grünwald als "Vorbild für die Jugend" und trägt diesen geradezu als Monstranz (siehe auch hier) vor sich her, um auf seine eigenen Themen aufmerksam zu machen. Hat er sich jedoch auch schon zu dessen Lebzeiten für ihn eingesetzt, sich für ihn und gegen den gemeinsamen Chef ausgesprochen? Warum hat er nicht die Konsequenzen gezogen, sich einen anderen Arbeitsgeber gesucht? Wie würde er mit dem Eindruck, den Außenstehende hier hinsichtlich eines unsolidarischen Profitierens von braunen Altnazi-Netzwerken leicht erhalten, umgehen, wenn nicht er selbst hier der Akteur wäre? Seiner eigenen Logik nach, die nicht nach den Chancen, Überlebensstrategien, Motivationen und taktischen Kompromissen, die Wissenschaftler heutzutage gehen (müssen?) fragt, müßte Dietrich Schulze also als gewissenloser Nutznießer der Atomlobby bezeichnet werden und hätte mit Faschisten gemeinsame Sache gemacht - der eigenen Bequemlichkeit und materiellen Sicherheit wegen. Auch hier gilt: keinerlei kritisches Nachfragen von Seiten der TAZ angesichts dieser Ungereimtheiten und offensichtlich in sich widersprüchlichen Verhaltensweisen.

Mich jedenfalls hat Dietrich Schulze im Zuge seines totalitär anmutenden Narrativs zur Erbauung der Jugend als Art propadandistisches Wurfgeschoß mißbraucht (siehe auch hier) und mich anschließend - nach einem für mich nervenaufreibendem mehrmonatigem Herumgezerre aufgrund seines pemanenten Drangs zu propagandistischen Verdrehungen, grotesken Überhöhungen und nach teils auch unautorisiert publizierten Entstellungen - stillschweigend entsorgt. Offenbar ist Schulze auch selbst der Meinung, daß der schäbige Umgang mit mir, zu dem er selbst in beträchtlichem Maße beigetragen hat, und dessen fatale Folgen für meine Biographie für niemanden einen Anreiz oder gar - in seiner eigenen Formulierung - ein "Mutmacher" sein könnten, um es mir nachzutun und konsequent und kompromißlos für eigene Überzeugungen einzustehen. Würde die taz sich dazu durchringen, meine Situation zu schildern oder mit mir zusammen meinem Anliegen - die politische wie wissenschaftliche Aufarbeitung des Völkermordes an den Tscherkessen voranzutreiben und die Netzwerke, die dieses behindern, zu exponieren - nachzugehen, sie würde sich damit implizit oder explizit auch gegen Schulze und dessen Netzwerke stellen. Das will man aber offenbar auch gar nicht.

Ich würde angesichts dieser auch auf persönlichen Interaktionen beruhenden Einsicht in Dietrich Schulzes konkretes Verhalten nur zu gerne wissen, ob  Léon Grünbaum, wenn er heute noch leben würde, mit dieser seiner Vereinnahmung durch Dietrich Schulzes für dessen extremistische, mittlerweile rotbraune Propagandatätigkeit einverstanden wäre. Falls Herr Schulze schriftliche Belegstücke oder glaubwürdige Zeugen dafür vorzuweisen hat, daß er sich Léon Grünbaun zu dessen Lebzeiten - anders als mir gegenüber - tatsächlich solidarisch und seinem Arbeitgeber gegenüber nicht taktisch verhalten sondern in der Tat die von ihm so vielbeschworene "Zivilcourage" beweisen hat, sollte er diese öffentlich machen. Ansonsten kann man - zumal Schulze wenig Gelgenheiten ausläßt, um sich selbst herauszustreichen - wohl  argwöhnen, daß Schulze sich hier auf wohlfeile Weise einer mittlerweile verstorbenen Person bedient, um unter anderem mit einem vorgeschobenen "antifaschistischen" und "antimilitaristischen" Engagement Querfront-Netzwerke und damit auch neurechte Diskurse zu stärken, sowie daß selbst die taz sich noch auf dieses Charade-Spiel einläßt. 

Seine meist billig gestalteten Propagandamachwerke verbreitet Dietrich Schulze mit Vorliebe über die immer brauner werdende NRhZ, dort schreibt er hin- und wieder auch unter falschem Namen, z.B. als "Carl Routier" (Schreibstil und Formatierung der Texte von "Routier" sind identisch, die Photos zu den Routier-Artikeln stammen erklärtermaßen von Schulze, der Inhalt ist teilweise wortgleich und die übergroße Eigenliebe des Dietrich Schulze führt auch noch dazu, daß diese vermeintlichen "Fremdartikel" in der NRhZ dann an anderer Stelle doch wieder als Eigenleistung aufgeführt werden). Mutmaßlich wählt Schulze diesen Weg, um damit auf künstliche Weise den Eindruck eines breiteren gesellschaftlichen Konsenses zu erzeugen, sich als vermeintlich Anderer selbst zu loben und hervorzustreichen und somit mit  - bei ihm auch in anderer Form gegebenen - kleinen unehrlichen Tricks und miesen Ränkespielen für ein Mehr an Aufmerksamkeit und erschlichenes gesellschaftliches Gewicht zu sorgen. Dietrich Schulzes "Antifaschismus" erweist sich, aus der Nähe besehen und zumindest, wenn auf mein Thema und Anliegen eines Erforschens der Wurzeln genozidaler Gewalt bezogen, als nichts anderes als eine weitgehed leere Propagandahülse in bester DDR-Tradition.

5. Daß die taz mit ihrem Covering der sogenannten "Zivilklausel"-Bewegung und nun möglicherweise auch mit ihrem thmematisch überlappenden Projekt "Hochschulwatch" den gleichen Kreisen das Wort redet, die auch die rotbraune Friedensbewegung (die von der TAZ kritisiert wird) befördern, sowie welche Folgen dies für unsere Gesellschaft hat und noch haben wird, wird wohl von der taz-Redaktion bewußt ausgeblendet. Ebenso wird wissentlich verdeckt und vertuscht, daß die Interessen dieser rotbraunen Friedenskreise etwa meinem Anliegen, das Fortwirken der blutigen russischen Kolonialpolitik im Nordkaukasus zu thematisieren, diametral entgegenstehen. Zumindest anhand dieses konkreten Beispiels müßte doch klar, daß die entsprechenden Kreise nicht für die Freiheit und Unabhängigkeit von Forschung stehen und keinerlei lagerübergreifendes Interesse an Transparenz haben. Dietrich Schulze trommelt weiter für "Zivilcourage" und "Widerstand" und ihm ist dabei - genauso wie der taz - offenbar völlig egal, daß er hier die Illusion einer wachsamen, interessierten, Anteil nehmenden und im Zweifelsfall solidarisch eingreifenden Mitwelt erzeugt, die in der Praxis in keinster Weise gegeben ist. Angesichts der Tatsache, daß im Ernstfall weder praktische Hilfe noch der bloße Willen, die Konsequenz von Widerständigkeit überhaupt öffentlich zu thematisieren, gegeben sind, fordert man hier Wissenschaftler explizit dazu auf, ins offene Messer zu laufen. Ungeachtet dieser Tatsachenlage bewußt weiter zu "Whistleblowing", "Offenlegung" etc. aufzurufen, ist bestenfalls äußerst unverantwortlich.

Anna Lehmann, die sich hier recht eindeutig auf der Seite Dietrich Schulzes und der rotbraunen Querfront verortet hat und sich eben nicht zu einem ausgewogenen, verschiedene Perspektiven berücksichtigenden Journalismus fähig zeigt,  "begleitet" nun auch das aktuelle "Hochschulwatch"-Projekt der taz. Ganz klassisch für die extreme Vermachtung unserer Gesellschaft und deren Durchdringung durch demokratiefeindliche wie schwer greifbare Lobbyisten-Netzwerke ist auch, daß Transparency International nun im Rahmen von "Hochschulwatch" an einem Projekt mitwirkt, das zumindst teilweise auf der Basis von völlig intransparenten Netzwerken erwächst und den Erstellern von Querfront-Narrativen die Bälle zuspielt. So hat einer der TI-Kooperationspartner von "Hochschulwatch" als erstes dem russischen Auslandspropaganda- Megakonglomerat "Sputnik" ein Interview gegeben.

TI verleiht diesem Projekt ein Gütesiegel und wird es mir und etwaigen anderen davon Betroffenen damit quasi unmöglich machen, gegen russische Interessenlagen mit Kritik an diesem Etikettenschwindel bis an eine breitere Öffentlichkeit vorzudringen. Die TAZ-Projekte "Hochschulwatch" und "unileaks" dürften, sofern nicht zumindest auf Druck von TI hin "Hochschulwatch" noch korrigiert und von den einseitigen Interessen gewisser TAZ-Kreise sowie insbesondere auch dem Umfeld der "Jungen Welt" entkoppelt wird, gerade auf Kosten derjenigen Personen und Werte gehen, die doch eigentlich - laut eigener Bekundungen - mit diesen Projekten geschützt werden sollten. Hier entstehen mafiöse Strukturen unter Einbindung von Lobby-Interessen totalitärer Regime, die verhindern, daß man sich als einzelnes Individuum und normaler Bürger Luft verschaffen und systematische Regelverstöße im akademischen Umfeld wie auch in dem der vermeintlichen Helfer und Unterstützer zumindest verbal zurückweisen kann.

6. Zu guter Letzt sei mir noch der Hinweis auf einen weiteren, aus meiner Sicht empörenden und skandalösen Widerspruch in der Themengestaltung und Öffentlichkeitspolitik der TAZ gestattet: Die Chefredakteurin Ines Pohl hatte am 20.1.2015 in einem Kommentar namens "Pegida und der Dialog. Strikte Weigerung hilft nicht" dafür plädiert, in Bezug auf die Pegidiasten nicht den Weg der "Ausgrenzung" zu gehen, namentlich auch dann, wenn es um den "Neubau von Asylbewerberheimen" gehe (Ergänzung von mir: in diese könnten dann ja wiederum "terroristische Tschetschenen" einziehen, über die dann wieder im taz-Intervieew gerätselt würde....). Es sei "das falsche Konzept", dieser Bewegung "den Dialog zu verweigern", Pohl meint, die  "definitive Abwehr einer Auseinandersetzung" sei "richtiggehend gefährlich". Damit wird indirekt dem Druck des rotbraunen Mobs nachgegeben, während gleichzeitig mir - und sicher auch anderen - ein ebensolcher Dialog aus linksdemokratischer Perspektive verweigert wird. So fördert man, während man vorgibt, für das Gegenteil zu arbeiten, die Macht des Pöbels und militante Rassisten, während man der Gegenseite immer wieder Beistand und Unterstützung verwehrt, sogar noch aktiv daran mitwirkt, diejenigen, die sich nicht auf ein immer stärker wirkendes politisches Lagerdenken einlassen, als vergleichsweise schwache, leise Stimmen aus der Öffentlichkeit zu verbannen.

Viel ist in den letzten Monaten davon die Rede gewesen, daß Journalisten anständig behandelt werden wollen und wie belastend und anmaßend die ständigen Pöbeleien und Shitstorms der Querfrontler und Putinisten seien. Dafür habe ich vollstes Verständnis und habe mich diesbezüglich auch immer wieder solidarisch geäußert. Daß einige Journalisten und Redaktionen aber auch selbst erst mal einen fairen, demokratischen Umgang mit der Außenwelt lernen müßte und sie ihrerseits verpflichtet wären, auch Angehörigen anderen Berufsgruppen, deren Wissen und deren intellektuelle Produkten den ihnen gebührenden Respekt zukommen zu lassen und diese mit der gleichen Würde zu behandeln, die sie auch selbst für sich reklamieren, daß es ferner angebracht wäre, selbstreflexiver mit der eigenen Gatekeeper-Funktion und deren relativer Machtfülle umzugehen, ist in dieser Diskussion bisher komplett ausgeklammert geblieben.

Frau Pohl schrieb:
"Je aufgeregter die Zeiten, desto schneller scheinen viele den Glauben an die Kraft des besseren Arguments zu verlieren. Und es gibt Formate, in denen man ins Gespräch kommen kann."

Frau Pohl sei gesagt, daß ich diesen Glauben an die Kraft des besseren Argumentes mittlerweile vollständig verloren habe, gerade auch durch das Treiben ihres eigenen Blattes, die regelrechte Abschottung und Unerreichbarkeit der Redaktion, das Ausmerzen von Kritik und die nun schon langjährigen Hinhalte-Taktiken mit abschließender Dialog-Verweigerung. Die "Formate", in denen man "ins Gespräch" kommen kann, sind im Kopf von Frau Pohl offenkundig populistisch definiert, reden eher Plattheit denn Intellektualismus und Analysefähigkeit das Wort und sind mit Subjekten bevölkert, die politisch doch eher im extremistischen Spektrum angesiedelt sein dürften. Mir selbst geht wohl die gesellschaftliche "Gefährlichkeit" ab, um von einer taz-Redakteurin ernst genommen und gehört zu werden.