Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

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Samstag, 7. Juni 2014

BENZ, der Sotschi-Troll: Sag mir, wo die Tscherkisen sind..

Vermutet hatte ich es bereits seit letztem Herbst im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2014, daß einige der Kommentare, die auf diversen Online-Foren auf naßforsche bis aggressive Weise putinsche Linien vertreten und auf Hauen und Stechen das offiziell gewünschte Rußlandbild verteidigen, nicht lediglich auf russophile und politisch unkritische Zeitgenossen zurückgehen, sondern sich in eine konzertierte Aktion einfügen. Mir war damals bei der Sotschi-Berichterstattung der TAZ besonders ein gewisser "BENZ" aufgefallen, der ausschließlich zu Artikeln mit Russsland-Thematik kommentierte und dies dann auch noch immer im entsprechenden Sinne tat. 

Nun, da durch die Massivität der russischen Astroturfing-Attacken eine mediale Diskussion in Gang gekommen ist und damit auch meine früheren Vermutungen bestätigt werden (sowie sich selbst Zeitungsredakteure und Journalisten sichtlich genervt geben), möchte ich diesen BENZ denn hier doch nachträglich thematisieren. Meines Erachtens ist sein unter http://www.taz.de/!ku583/ zu findendes  Profil auch insofern interessant, als es möglicherweise die These belegt, daß diese Art der Meinungsmache von längerer Hand organisiert war und die Maschinerie hierzu bereits vor der Ukraine-Krise (wenn auch in geringerem Umfange) in Gang gesetzt worden ist.

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Artikel, die in jüngerer Zeit russische Astroturfing-Praktiken und entsprechende Kommentarschwemmen (Shitstorms) thematisiert haben, sind u.a

aus Großbritannien:  
http://www.thetimes.co.uk/tto/news/world/asia/article3891720.ece
http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/may/04/pro-russia-trolls-ukraine-guardian-online
http://www.welt.de/politik/deutschland/article128584422/Anatomie-des-russischen-Infokriegs-in-Netzwerken.html 

aus Deutschland:
http://www.zeit.de/politik/2014-05/deutsche-medien-internet-trolle-bots-pro-russland
http://www.welt.de/politik/deutschland/article128584422/Anatomie-des-russischen-Infokriegs-in-Netzwerken.html 
http://www.reitschuster.de/index.asp?typ=&newsid=16603
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-spam-bei-deutschen-medien-unter-namen-anonymous-a-964869.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ukraine-Krise-Guardian-vermutet-pro-russische-Troll-Kampagne-2182577.html
(bedingt zum Thema:  http://www.faz.net/aktuell/politik/krim-krise-in-deutschen-medien-was-geht-bloss-in-diesen-koepfen-vor-12865042.html)

aus der Schweiz:
http://www.20min.ch/ausland/news/story/So-infiltriert-Putin-westliche-Medien-30309256
http://www.srf.ch/sendungen/medientalk/medientalk-die-macht-der-trolle

aus Österreich: 
http://derstandard.at/1397522466568/Guardian-beschwert-sich-ueber-russische-Internettrolle 

aus Polen:
http://www.osw.waw.pl/en/publikacje/point-view/2014-05-22/anatomy-russian-information-warfare-crimean-operation-a-case-study

aus den USA
http://www.forbes.com/sites/peterhimler/2014/05/06/russias-media-trolls/
http://www.buzzfeed.com/maxseddon/documents-show-how-russias-troll-army-hit-america (mit am ausführlichsten)

aus der Russischen Föderation selbst
http://www.novayagazeta.ru/politics/59889.html (vom September 2013)
http://www.vedomosti.ru/opinion/news/26750681/lajki-na-zapad (aktuell)
http://www.themoscowtimes.com/opinion/article/the-kremlins-trolls-go-west/500641.html
http://www.sptimes.ru/story/38052

Ein generellen Überblick mit vielen links bietet: http://www.interpretermag.com/14302/

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Zum Sotschi-Troll BENZ ist generell folgendes festzustellen:

- ausschließliches Kommentieren von Artikeln mit Rußland-Bezug
- ausschließliches Vertreten pro-putinscher Sichtweisen ohne feststellbare persönlichen Abweichungen
- soweit am TAZ-Profil erkennbar zeitliche Spanne der Kommentare vom 24.7.2013 - 20.1.2014 (d.h. knapp vor den Olympischen Spielen selbst bricht das Profil ab)
- bewußtes und repetitives Provozieren anderer Nutzer
- durchgängige Gegenüberstellung von "Westen" und "Rußland", bewußt vorzeichenverkehrtes/ pervertierendes Argumentieren mit Menschenrechten und demokratischen Werten

Die Zielgruppen/Zielobjekte seiner verbalen Angriffe waren breit gefächert und umfaßten praktisch alles, was eventell ein kritisches Licht auf die aktuelle russische Regierungspolitik hätte werfen können, ob es nun um LGBT-Rechte in Rußland, Pussy Riot, Umweltschutz, Sotschi 2014, Demonstrationsverbote, Navalyn und andere russische Oppositionelle ging. Von der offiziellen russischen Informations- und Imagepolitik divergierende Stimmen wurden von BENZ regelmäßig auf eine sehr charakteristische, persönliche Weise - Satzbau im Imperativstil, bewußtes Fantasieren und Verdrehen - angegangen. Die gesamten Auslassungen von BENZ (abgesehen von Kommentaren, die unter Gebrauch der TAZ-Antwortfunktion getätigt wurden, denn diese sind nicht gesondert im Nutzerprofil zu sehen) kann man unten im Anschluß an diesen Beitrag nachlesen - ich wünsche angenehme Lektüre!

Hier möchte ich jedoch gesondert drei Beispiele herausgreifen, die seinen Umgang mit dem Völkermord an den Tscherkessen zeigen. Ich hatte mir, als deutsche Medien im Vorfeld der Olympischen Winterspiele zwar über unterschiedlichste Aspekte berichteten, dabei aber mit schöner Regelmäßigkeit die Tscherkessen und tscherkessische Proteste aussparten, die Mühe gemacht, bei jedem sich hierzu anbietenden Artikel (und soweit das meine Kräfte erlaubten) auf das jeweils Fehlende aufmerksam zu machen. Notwendig war das deshalb gewesen, weil zu diesem Zeitpunkt auf Medienseite weder Interesse bestanden hatte, mit Vertretern der nordkaukasischen Diaspora Kontakt aufzunehmen und sie so am öffentlichen Diskurs teilhaben zu lassen, noch mir als einziger deutscher Historikerin, die sich bereits jahrelang explizit mit der Kolonialgeschichte des Westkaukasus auseinandergesetzt hatte, ein Forum für eine historische Darstellung zu bieten. 

Es ging mir und anderen demzufolge im Vorfeld von Sotschi 2014 nicht so sehr um private Meinungsäußerung, sondern darum, überhaupt ein winziges Stück Öffentlichkeit zum Völkermord an den Tscherkessen und der damit in Verbindung stehenden Symbolik von Sotschi 2014 herstellen zu können. Um so unangenehmer war es, daß auf jede bloße Erwähnung der Tscherkessen zynische, bewußt grenzverletzende Reaktionen erfolgten. Diejenigen von BENZ waren dabei offenbar dem Adolf Hitler zugeschriebenen Ausspruch "Wer spricht heute noch von der Vernichtung der Armenier" nachempfunden und verfolgten ganz im Sinne dieser Logik das Ziel, aus einer hegemonialen Position heraus immer wieder die Existenz der Tscherkessen zu bestreiten und die Müßigkeit jedweder Bestrebungen, die Kolonialgeschichte der Tscherkessen dem Vergessen zu entreißen, zu betonen.

Hier ein Beispiel für diese benzsche Taktik, die gleichzeitig laut der gebräuchlichen Einteilung die finale Stufe genozidaler Prozesse ("Denial") bildet: 


Man beachte: auch die fehlerhafte Schreibweise ist hier Absicht bzw. bewußte Provokation/Irritation, denn die "Schreibfehler" wurden immer wieder neu variiert. Auf Aufklärungsversuche samt links reagierte BENZ grundsätzlich nicht, ob diese nun von anderen Lesern oder mir selbst stammten. Als besonders traurig habe ich es empfunden, daß BENZ in seinem Abstreiten der tscherkessischen Existenz und in seinen gezielten Provokationen nicht einmal vor Lesern mit tscherkessischer Wurzeln haltmachte. So schrieb er gleichzeitig an mich, als auch an die Adresse von Betül Kisal, einer tscherkessischen bzw. abchasischen Mistreiterin und Freundin von mir gerichtet: 



Es war dies die Reaktion darauf, daß Betül Kisal sich explizit als Tscherkessin, die stolz auf ihre Herkunft ist, zu erkennen gegeben hatte, sich über die stets falschen Schreibweisen eines gewissen Kommentators beklagt und über die Leugnung der tscherkessischen Existenz empört hatte. Hier noch die Antwort von BENZ' auf einen anonym bleibenden Gastleser , der (möglicherweise ebenfalls mit tscherkessischer Herkunft) unter Verlinkung eines Beitrags des Deutschlandfunks mit Titel "Der vergessene Völkermord" darauf hingewiesen hatte, daß die Tscherkessen ihr Schicksal thematisiert haben möchten - nur damit noch einmal deutlich wird, daß es BENZ nicht um "Personalstreitigkeiten", sondern um möglichst zu unterdrückende Inhalte ging:



Hier nun die schöpferische Gesamtleistung von "BENZ" - mit Rundumschlag auf alles, was sich nicht putintreu gab:

(Farbig unterlegt sind zum besseren Auffinden diejenigen Äußerungen, die sich auf Tscherkessen/tscherkessische Proteste gegen Sotschi 2014 und den Völkermord an den Tscherkessen beziehen.)

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Freitag, 6. Juni 2014

Putinsches Stalking in den TAZ-Kommentarpalten: Launch der "Troll der Woche"-Serie

Auch ich bin es nun endgültig leid. In den Kommentarspalten deutscher Zeitungen tauchen auf wundersame Weise immer neue Profile auf, die unter stets gleicher Taktik bei den stets gleichen Themen persönlich werden, beschimpfen, diffamieren, unterstellen, verdrehen und beschuldigen. Neben der Diskreditierung unerwünschter Informationen und unliebsamer Meinungen als solcher scheinen diese Kommentare auch das Ziel zu haben, all jenen, die sich kritisch zu Putin und "seinem" Rußland verhalten, die Lust am Kommentieren zu nehmen, sowie allgemein, zu polarisieren und Nutzer in ein pro-westliches und in ein pro-Putin Lager zu spalten. Dazwischen soll es offenbar nichts Vermittelndes mehr geben, denn besonders heftig fielen meiner Beobachtung nach die Reaktionen immer dann aus, wenn sich in einem Gesprächsaustausch ausgleichende Positionen abzuzeichnen drohten. Diesen wurde sofort mit konzertierten, polarisierenden Manövern begegnet. 

Ich selbst registriere dieses Phänomen bereits seit Monaten, d.h. keineswegs erst seit der Ukraine-Krise, sondern ausgehend von meinen Versuchen seit Herbst 2013, den Völkermord an den Tscherkessen zumindest in Kommentarform zu thematisieren (zu dieser Zeit berichteten deutsche Zeitungen noch nicht). Mit der Ukraine-Krise hat sich diese Tendenz nun um ein Vielfaches verstärkt bzw. das entsprechende Personal wurde wohl aufgestockt. Mittlerweile kann ich mich praktisch nirgendwo mehr öffentlich äußern, ohne auf derartige Abwehr-Reaktionen zu stoßen - auf facebook erscheinen diese oft sogar in Sekundenschnelle. Und ja, auch ich werde diese Taktiken nun exponieren und damit dafür sorgen, daß dieser versuchte Gesinnungsterror samt Meinungsmanipulation durch Astroturfing öffentlich wird.

Hier zeige ich nun als erstes ein Beispiel für diese Art der Bekämpfung freier Meinungsäußerung, das vom Inhalt und der Taktik her mittelmäßiger Durchschnitt ist - ich bin schon weitaus heftiger beleidigt worden und Schlimmeres gewohnt (ich werde gegebenenfalls nun auch mehr davon öffentlich machen, mir war das bisher immer angesichts dringenderer Dinge zu lästig und zeitraubend gewesen). Ich greife mir dieses aktuelle Beispiel deswegen heraus, weil es zwei Aspekte des Vorgehens gegen unliebsame Meinungen recht schön zeigt:

a) ein frisch angelegtes Profil mit Pseudonym - eines von vielen, die in letzter Zeit wie aus dem Nichts aufzutauchen scheinen

b) im Widerspruch dazu ein Kommentar, der einige Vertrautheit mit und Interesse an meiner Person, meiner Arbeit und meinen Kommentaren nahelegt, wenn auch nicht auf eine wohlgesonnene Weise:

 





Hier der screenshot des erst wenige Tage alten Profil mit bisher lediglich einem eigenständigen Kommentar:



Daß mir Nutzer mit mir bis dato unbekannten Profilen zu verstehen geben, daß Sie mich kennen und meine Aktivitäten verfolgen, ist mir keinesfalls neu. Mittlerweile ist man jedoch - anders als im letzten Herbst noch - nicht mehr so sehr bestrebt, die Existenz der Tscherkessen an sich zu leugnen und die Historizität des an ihnen begangenen Völkermordes in Frage zu stellen, man geht vielmehr allmählich dazu über, von "berechtigten Anliegen" der Tscherkessen zu sprechen und "lediglich" deren "Instrumentalisierung" durch mich zu beklagen. Oft erscheint dies auch in Verbindung mit einer klassischen "Wir nicht, die anderen auch"-Argumentation. Ich werte das als Zeichen des Erfolges der tscherkessisch-deutschen Öffentlichkeitsarbeit: nach dem Ignorieren und Abstreiten kommen nun die Anfeindungen und die Pöbeleien. Gerne hält man mir nun auch dort meine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Völkermord an den Tscherkessen und mein diesbezügliches politisches Engagement vorwurfsvoll vor, wo ich gar nicht selbst von den Tscherkessen gesprochen habe. Wer von Tscherkessen und ihrer Kolonialgeschichte spricht, sollte nach Ansicht einiger Nutzer des virtuellen Raumes sich wohl besser gar nicht mehr äußern dürfen.

Ungewöhnlich ist im konkret vorliegenden Fall, daß diese Nutzer einen ersten Kommentar zu einem Nicht-Rußland-Thema getätigt hat. Bisher sind mir immer wieder zeitnah angelegte Nutzer-Profile aufgefallen, die, mit oft frappierend ähnlicher Stilistik und den stets gleichen Argumentationsstrategien, nur ein Thema zu kennen schienen: Rußland, Putin und das Image von Putin-Rußland nach außen. Ob hier nun um eine neuere, intelligentere Mischstrategie entwickelt wird mit dem Ziel, daß Putin-Trolle nun nach doch etlichen Artikeln zu russichem Astroturfing nicht allzu sehr ins Auge fallen, oder sich hier eventuell auch ein auf eigene Faust handelnder realer Mensch - dem dann allerdings ebenfalls gewisse Verhaltensweisen, ideologische Versatzstücke und rhetorische Gesten in Leib und Blut übergegangen sein müssen - zur Untermauerung seiner "Mehrheitsmeinung" ein Zweit-, Dritt- oder Viertprofil zugelegt hat, wird sich wohl noch zeigen. Die alte Schule der Putin-Trolle mit Rußland als Einheitsthema werde ich bei Gelegenheit anhand anderer Beispiele im Umfeld der Sotschi-Berichterstattung ebenfalls illustrieren.

Zum fraglichen TAZ-Artikel geht es hier:  http://www.taz.de/Linkspartei-ruegt-eigene-Abgeordnete/!139831/

Nachtrag 6.6.2014:

 Hier noch eine weitere "Antwort", die offenbar rein dem Zweck der weiteren Provokation mittels weiteren Diffamierungen, an deren Zurückweisung ich mich dann offenbar abarbeiten soll, dient, samt der von proputinschen Kreisen so gerne bemühten Zuschreibung psychischer Störungen ("Fixierung" in diesem Falle, manchmal werden die Putinfans aber auch deutlicher) bei Vorliegen unliebsamer Informationen und Meinungsäußerungen. Illustrativ ist auch, daß hier auf dem Fuße dann auch die "Wir nicht, die anderen auch"-Argumentation bemüht wird (kurz nach oder während ich diesen blogeintrag verfaßt und auf dieses Argumentationsschema hingewiesen hatte).