Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

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Sonntag, 29. September 2013

Am Flughafen von Sotschi gestrandet: russische Behördern verweigern kritischem Journalisten die Einreise

Fehim Taştekin ist ein renommierter türkischer Journalist bei der linksliberalen Tageszeitung Radikal. Arbeitsschwerpunkt von Taştekin sind Artikel zu Geschichte und Gegenwart des Kaukasus. In einem seiner jüngsten Beiträge, dem  Artikel vom 16.9.2013, hatte er die russische Machtpolitik im Nahen Osten und dem Kaukasus analysiert und war dabei auch auf die Olympischen Spiele eingegangen. Er hatte die außerordentlichen Sicherheitsmaßnahmen für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 als Ausdruck einer „Kaukasus-Paranoia“ der russischen Machthaber kritisiert und und in diesem Zusammenhang das extrem abgeschirmte Olympiagelände als „Olympia-Konzentrationslager“ bezeichnet.

Wie gestern und heute u.a. von Radikal und Hürriyet berichtet wurde, ist Taştekin gestern von russischen Behörden am Flughafen von Sotschi die Einreise verweigert worden. Taştekin hatte, wie es die offiziellen russischen Einreisebestimmungen für Abchasien vorsehen, über den Flughafen von Sotschi nach Abchasien weiterreisen wollen, um dort als offizieller Staatsgast an den Feierlichkeiten am 30. September 2013 zur Unabhängigkeit Abchasiens teilzunehmen. Am Flughafen wurde der Journalist von den russischen Behörden informiert, daß eine fünfjährige Einreisesperre gegen ihn verhängt worden sei.

Eine Begründung für ihr Vorgehen haben die russischen Behörden bisher offenbar nicht geliefert - auch nicht gegenüber dem nächstgelegenen türkischen Konsulat in Novorossijsk. Laut Taştekin wäre eine solche Einreisesperre für ihn als Koresspondenten mit Arbeitsschwerpunkt Kaukasus beruflich „tödlich“, wie er gegenüber der Zeitung Hürriyet betonte. Der Journalist will demzufolge nach eigener Aussage Schritte ergreifen und hierfür notwendige Anträge bei den zuständigen türkischen Behörden einreichen Da Rückflüge in die Türkei ausgebucht waren, sitzt Taştekin nun aber auf dem Flughafen von Sotschi fest und muß bis Montag warten, um beim türkischen Konsulat in Novorossijsk einen entsprechenden schriftlichen Gesuch stellen zu können.

Tscherkessische Verbände in der Türkei haben heute abend in Solidarität mit Fehmi Taştekin vor dem russischen Konsulat in Istanbul demonstriert und eine Presseerklärung verlesen, in der auch die fortgesetzte Weigerung des russischen Staats, sich der Vergangenheit zu stellen und den Völkermord an den Tscherkessen anzuerkennen, verurteilt wurde. Erol Karayel, Sprecher der Çerkes Hakları İnisiyatifi (“Initiative für tscherkessische Rechte“), kritisierte den aktuellen Vorgang gegenüber Taştekin mit harschen Worten:
Rußland ist bestrebt, die in der Vergangenheit begangenen Verbrechen zu vertuschen und greift demzufolge wie ein tollwütiger Hund jeden an, der seiner Vergangenheit einen Spiegel vorhält. Diejenigen, die gegenüber den Diskursen des Kremls Position beziehen, läßt dieser entweder in einer stillen Ecke von seinen Auftragsmördern umbringen, oder sie werden auf schwarze Listen gesetzt, um ihnen dann bei der erstbesten Gelegenheit, bei der sie in seine Hände fallen, den Weg abzuschneiden.
Der Journalist Fehim Taştekin, Leiter des Auslandsressorts der Zeitung Radikal, ist somit das jüngste Beispiel derjenigen, denen ihr Weg versperrt wird.“
Fehim Taştekin twittert unterdessen vom Flughafen Sotschi und bemüht sich, seinen unfreiwilligen Aufenthalt dort mit Humor zu nehmen.


Zu einem englischsprachigen Artikel der türkischen Zeitung TodaysZaman geht es hier



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