Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

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Sonntag, 17. September 2017

Grüne, die sich nicht von Fake News, Rechtspopulismus und Islamhaß distanzieren

Grenzen nach rechts werden nicht mehr gezogen, stattdessen werden Krtiiker von rechtspopulistischen Zusammenhängen delegitimiert. 

Um was auch man Grünen-Vertreter fragt, sie reagieren fast nie angemessen, schauen systematisch weg, widmen sich gesellschaftlichen Fehlentwicklungen nicht, auch da, wo sie eigentlich bequem gegensteuern könnten; meine dokumentiert Erfahrung zeigt, daß sie sich regelmäßig ihrer eigenen politischen Verantwortung entziehen. Dies zeigt sich auch im Bereich rechtspopulistischer Medien und extremistischer, unsere Gesellschaft polarisierender Stimmungsmache. Nicht nur der Völkermord an den Tscherkessen erscheint als ein zu "schwieriges" und gleichzeitig zu  unbedeutendes Thema, so daß Grüne meinen, sich damit nicht damit beschäftigen würden. Dieselben Schweige- und Ausblendmechanismen, mangelnde Abgrenzung gegenüber rechten Akteuren, das Fehlen klarer demokratischer Signale gegenüber migrantenfeindlicher Stimmungsmache, Geschichtsrevisionisten, Verschwörungstheoretikern.... , zeigen sich an allen Ecken und Enden. Sie sind zu beobachten
vom niedrigschwelligen Alltagsbereich bis hin in die ganz große, bedeutsame  internationale Politik.

Ein medialer Akteur, von denen sich Grüne oder Grünen-Fans nicht distanzieren, ist Tomas Spahn, der für "Tichys Einblick" und gelegentlich auch für die islamophobe "Achse des Guten" schreibt. Der frühere Kommunikationsberater war, bevor er dank Tichy eine größere rechtspopulistische  Plattform erhielt, als Autor ziemlich unbedeutend. Er verbreitet alarmistische Fake-News über die "Untaten" von Migranten und/oder muslimischen Flüchtlingen, nimmt in seinen eigenen Statements verschwörungstheoretische Perspektiven ein und hat sich als Publizist der Reihe nach an prominenten muslimischen Stimmen in der deutschen Öffentlichkeit abgearbeitet (siehe auch bei hier  unter "Tomas Spahn"). Seine politischen Gegner und Kritiker werden von Spahn und Freunden ausgestellt, beleidigt, verleumdet, er sorgt für weitere Pöbeleien. Geduldet wird er in "putinkritischen" Kreisen vermutlich, weil er als "scharfer Hund" gegenüber Rußland gelten kann und somit nützlich erscheint. Eine vermeintliche "klare Kante" gegenüber Putin bringt allerdings hinsichtlich der tatsächlichen Verhältnisse wenig, wenn er gleichzeitig,  über die Rückhand, die AfD bedient und auf ähnliche Weise auf Fake News und entzweiende Desinformation verbreitet werden, wie das die pro-putinschen Kreise selbst tun.

Ich habe mehrfach versucht, meine russlandkritischen Facebook-Freunde (u.a. diejenigen, bei denen mir Facebook angezeigt hat, daß sie gleichzeitig mit Tomas Spahn befreundet sind), auf die Art der publizistischen Aktivitäten Tomas Spahns hinzuweisen, ich betrachte die Tichy-Texte sogar als eine Art "Einstiegsdroge" für den AfD- und Pegida-Bereich. Im konkreten Falle waren es auf Grünen-Seite Ralf Fuecks und Jens Siegert gewesen, die von mir freundlich und höflich angesprochen wurden, sich aber bis heute nicht in dieser Sache geregt haben:



Jens Siegert hat von 1999-2015 das Moskauer Büros der grünennahen Boell-Stiftung geleitet (bzw. mitaufgebaut) und trägt damit auch Verantwortung für das umfänglicheNichtthematisieren des Völkermordes an den Tscherkessen beim russischen Ableger dieser Stiftung. Er wird außerdem als Berater der Menschenrechtsorganisation "Memorial" aufgeführt und hat sich auch direkt bei den Grünen engagiert. Ralf Fücks war von 1996 bis 2017 Vorstandsmitglied der Boell-Stiftung, er war seit 1982 bei den Grünen tätig. Über ihn heißt es auf der Webpräsenz der Boell-Stiftung: "Als Mitglied der Grundsatzprogramm-Kommission und anderer Beratungsgremien von Bündnis 90/Die Grünen hält er die Verbindung zwischen Stiftung und Partei.".Offiziell will Bündnis 90/Die Grünen Rechtspopulismus "auf allen Ebenen" bekämpfen und "Menschenwürde schützen" - das geht aber nicht, wenn man mit Menschen koopieriert, die systematisch die Rechte Anderer verlezten und man diese dabei nicht in ihre Grenzen verweist.

Daß beide auf mein Anschreiben hin gar nicht reagierten, sich auch anderweitig keine Distanzierungen oder Korrekturversuche finden lassen, zeigt meines Erachtens, daß sie in diesem Bereich keine Widerständigkeit gegenüber rechtspopulisitschen Diskursen praktizieren, kein werteorientiertes Handeln vorweisen und da keine echte, mühselige politische Arbeit stattfindet. Parallel zu einem abstrakten Hantieren mit (theoretischen) Positionen, Memes und Slogans werden tatsächlich die eigenen Netzwerkinteressen bedient. Auf gleiche Weise setzen auch andere Grüne immer wieder ungünstige Akzente, werden Weichen falsch gestellt, werden das Aussitzen, Wegducken, Kungeln aus Opportunismus heraus oder einfach Gleichgültigkeit als politisches Modell  vorgelebt. Es würde jedoch durchaus gesellschaftlich einen Unterschied machen, ob sich Personen des öffentlichen Lebens von hetzerischen Medien wie "Tichys Einblick" oder "achgut" und islamophoben Publizisten wie Tomas Spahn distanzieren. Stattdessen findet mit der Beehrung des rechtspopulistischen Umfeldes durch die eigene Person eine Normalisierung und gesellschaftliche Legitimierung derartiger Positionen statt. Durch den Unwillen, gleiches gleich zu behandeln, allgemein verbindliche Regeln durchzusetzen (Fake News etwa unabhänig von Thema und Anliegen als berufsethisches " no go" zu brandmarken...), vollzieht sich eine weitere gesellschaftliche Zersplitterung.

Einzelhandlungen, mittels derer rechtspopulistische Akteure gestärkt bzw. entschuldigt werden, setzen sich auf Dauer zu ganzen Handlungsmustern zusammen, diesen verfestigen sich  letztendlich zu gesellschaftlichen Strukturen (siehe auch Berger/Luckmann in "Die gesellschaftliche Konstruktion von Wirklichkeit"). Während auf der einen Seite legitimiert wird, findet hinsichtlich derer, die mit rechtspopulistischen Diskursen nichts anfangen können, davon negativ berührt werden, sukzessive ein Ausschluß statt., werden diese aus einem (u.a.., da gewisse Regeln nicht mehr für alle geltend gemacht werden) gemeinschaftlichen Raum hinausgedrängt. Den Grünen fehlt offenbar auch ein Sinn für Ansatzpunkte, für konkretes politisches Tätigwerden und ein Verständnis bzw. Interesse dafür, daß ein Einschreiten gerade auch im Detail  gesellschaftliche Dynamiken insgesamt beeinflussen würde und wieder in eine positivere Richtung kehren könnte. Es wird mit abstrakten Bekundungen gegen "Rechtspopulismus" dann im Grunde ein mächtiger, schlecht anzugreifender, ferner Anderer erzeugt, wie das in etwa auch bei Verschwörungstheorien der Fall ist. Bezogen auf die eigentlichen, zu lösenden gesellschaftlichen Probleme und politischen Mißstände wirkt dies entpolitisierend und handlungslähmend. Offensichtlich kommen hier Korrelationen zwischen Wirklichkeit und Programm und das Verständnis für gesellschaftliche Dynamiken und Zusammenhänge abhanden.

Bündnis 90/Die Grünen tragen damit letztendlich auch selbst Schuld an ihren schlechten Umfragewerten und dem Stimmengewinn am rechten Rand, sie haben gewohnheitsmäßig rechtspopulistische Kräfte begünstigt, sie besänftigt, a-demokratische Zugeständnisse gemacht, rechtspopulistische Stimmungsmacher über verschiedene Mechanismen eingebunden und sozial legitimiert, während sie etwa auf Muslime und muslimische Interessen keine Rücksicht genommen haben, während sie anderen Menschen eine sinnvolle Kommunikation verweigern und damit auch konsequenter vorgehende, demokratischere Kräfte an den Rand drängen, ihnen zunehmend gesellschaftliche Solidarität und demokratische Teilhabe entziehen.

Fuecks und Spahn etwa sind heute noch miteinander befreundet:

Donnerstag, 7. September 2017

Rebecca Harms - Menschenrechte und Freiheiten als individuelle Glückssache

Folgender Post zeigt, wie deutsche Politiker reagieren, wenn sie per freundlicher Anfrage angeschrieben werden und eigentlich handeln müßten

Im hier gezeigten Beispielfall habe einmal nicht ich eine öffentliche Person angeschrieben, sondern hat sich meine Mutter als meine Fürsprecherin an eine bekannte Politikerin, die EU-Abgeordnete Rebecca Harms gewandt und sie gefragt, ob sie nicht mich und mein Anliegen unterstützen könne. Es ging im Kern um die Ermöglichung von Vergangenheitsaufarbeitung und die Beseitigung der Folgen von Mobbing und recht schwerwiegender Diskriminierungen, die sich direkt gegen meine Forschungsarbeit gerichtet hatten sowie um wenig durchlässige, eher a-demokratische Strukturen, die zum Zeitpunkt der Anfrage (vor etwas mehr als zwei Jahren) weiterhin einen halbwegs normalen, zivilen Umgang mit dem Völkermord an den Tscherkessen auf deutscher, wie auch auf europäischer Ebene insgesamt blockiert halten.

Rebecca Harms hat, da meine Mutter zum damaligen Zeitpunkt noch keinen Computer benutzte, ihre Antwort per email an mich addressiert. Sowohl Anfrage als auch Antwort sind im Folgenden wiedergegeben. Ich war zunächst freudig überrascht davon, daß überhaupt eine Antwort erfolgte, denn heutige politische Umgangsformen werden so schlecht, daß auch dies oftmals keine Selbstverständlichkeit mehr ist.Schreiben, die unangenehme, verstrickte, vertrackte politische Verhältnisse betreffen, bei deren Angehen/Lösung man die eigenen Bündnispartner konsternieren oder politisch etwas riskieren könnte, bleiben immer öfter ohne jegliche Reaktion liegen. Hier klang die Antwort aber freundlich.  Frau Harms schien den Kern der Problematik erfaßt zu haben und als Sachlage zu bestätigen. Jedoch überraschte mich dann umso mehr die abrupte Endung.

Die Frage bzw. Bitte meiner Mutter nach Unterstützung in einer wirklich mißlichen Situation - man schreibt solche Briefe nicht leichtfertig - blieb im Antwortschreiben von Rebecca Harms komplett ausgeklammert. Der Text wirkt so, als ob Harms gar nicht realisiert hätte  (bzw. sie unfähig zu begreifen gewesen sei), daß  in solch einer Lage doch zumindest Lösungsmöglichkeiten oder Handlungsoptionen hätten benannt oder erwogen werden sollen, man weitere Ansprechspartner hätte benennen  können,  zuallermindest, meines Erachtens, aber doch ein entschuldigendes "Leider kann ich nicht helfen" fällig gewesen wäre.  Die email schien, auf keineswegs bösartige Weise, schon die Vorstellung eines  Tätigwerdens und jedweden Eingreifens von vornhinein und wie selbstverständlich auszuschließen.

Mich hat diese email über Monate hinweg so sprachlos gemacht, daß ich wirklich nicht wußte, wie und ob ich antworten solle.. Ich habe oft versucht, daraufhin Sätze zu formulieren. Ich schwankte zwischen dem Bedürfnis, mich für das immerhin höfliche, halbwegs respektvolle Schreiben zu bedanken und dem gleichzeitigen Bedürfnis, das,w as ich als Anmaßung empfand, zurückzuweisen.
Das mißachtende, gerigschätzende Element bestand für mich darin, daß Berufspolitiker und einige andere Prominente, wenn sie selbst in Bedrängnis bzw. mißliche Lagen geraten, sofort Hilfe, gesellschaftliche Anteilnahme erhalten und eine Korrektur verrutschter ethischer Maßstäbe (etwa bei Einreisesperren) per medialer Öffehtlichmachung und Bewertungen erfolgt, dahingegen aber "normalen" bzw. abgewerteten Menschen jegliche Unterstützung, auch noch bei chronischer Krankheit wie in meinem Falle, untersagt wird. Auch Intellektuelle, die nicht im Rampenlicht stehen wollen, brauchen für die Fortführung ihrer Arbeit Sicherheit, Freiheit und gesellschaftliche Unterstützung. Letztendlich blieb die email ohne Antwort. Beim Gedanken an das, was ich schreiben könnte, hat sich mir regelmäßig der Hals zugeschnürt.

Nach etlichen weiteren Gesuchen, anderen Anschreiben an andere Personen, vielen unterschiedlichen Kommunikationsversuchen mit unterschiedlichen Partienrepräsentanten, bei denen die Reaktionen oftmals noch viel negativer, ruppiger und verletzender ausfielen, frage ich mich heute vor allem, wie eine derart entpolitisierende, atomisierende Haltung gegenüber gesellschaftlichen und politischen Mißständen möglich ist. Wer fast alles am "Erfolg" oder "Mißerfolg" eines Individuums festgemachen möchte, fast nur noch die Maximen "Ein jeder ist selbst seines Glückes Schmied" bzw. "Der Stärkere setzt sich durch" gelten lassen möchte, riskiert letztendlich den Sinn für das Allgemeinwohl und das Verständnis dafür, daß Einzelne mit der Gesellschaft verbunden und Individuen und Gesellschaft aufeinander angewiesen sind. Ich habe mich nicht einfach für mich selbst und für eine akademische Karriere bzw. berufliches Fortkommen eingesetzt, sondern für andere Menschen. Für den Erhalt demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen muß man arbeiten: Ohne Sorge um den gesellschaftlichen Grundkonsens, ohne Solidarität und ein Minimum an Verläßlichkeit als Gemeinschaft, ohne die Bereitschaft und den Mut zum Einschreiten da, wo die eigene Wertegrundlage verletzt wird, kann ich mir den Erhalt eines demokratischen Gemeinwesen nicht vorstellen.

Das Eintreten gegen Geschichtsrevisionismus und Völkermordleugnung sollte zu den Dingen gehören, die in keinem Falle, unter keinen Rahmenbedingugnen, antastbar, verhandelbar und anfechtbar sind. Mir scheint allerdings, daß mittels des PR-gestützten "Images" und den (oftmals noch virtuellen, abstrakten) Anhängerschaften von "Bewegungen" (vermeintlich) zugunsten bestimmter politischer Werte, die gerade die Grünen en masse erzeugen, allmählich die Korrelationen zwischen politischem Schein und gesellschaftlicher Realität, zwischen Wollen/Image/abstrakten Haltungen und konkretem Handeln und Sich-Einsetzen für die gesellschaftlichen Werte verlorengehen. Es ist, als ob professionelle Parteienpolitiker die Welt, die sie mitgestalten und für die sie verantwortlich sind, nur noch als eine Art Klischeebild, durch die eigenen Slogans, Floskeln und bunten Facebook-Memes hindurch, wahrnehmen könnten.


3.1.2015 - Handschriftlicher Brief, gesendet an Rebecca Harms' Abgeordnetenbüro in Brüssel:

"Sehr geehrte Frau Harms,

Aus der Presse habe ich erfahren, daß Ihnen die  Einreise nach Rußland verweigert wurde. Die Erfahrung, daß es negative Konsequenzen hat, wenn man der russischen Regierung nicht kritiklos gegenübersteht, hat auch meine Tochter Irma Kreiten machen müssen. 

Meine Tochter hat in Tübingen mit Bestnote die Magisterprüfung in osteuropäischer Geschichte und Ethnologie abgelegt und anschließend ihre Doktorarbeit zur russischen Eroberung des Kaukasus im 19. Jahrhundert begonnen. Ihre Forschungen haben bestätigt, daß es dort einen Völkermord an den Tscherkessen gegeben hat. Dieses Ergebnis war weder im Sinne ihres Doktorvaters noch des Sonderforschungsbereiches Kriegserfahrungen, bei dem sie angestellt war. Unter Mißachtung wissenschaftlicher Kriterien und der Freiheit der Forschung wurde sie unter Druck gesetzt, diesen Völkermord nicht zu thematisieren. Als sie diesem Druck nicht nachgegeben hat, wurde sie massiv eingeschüchtert. Heute lebt meine Tochter enttäuscht, krank und ohne Existenzgrundlage in Istanbul.

Die Personen und Organisationen, an die sie sich mit der Bitte um Unterstützung gewandt hat, haben sie entweder bewußt ignoriert oder mit anfänglichen Versprechungen hingehalten.

Dieses Ignorieren ihrer Arbeit und ihrer Person ist nicht individuellen Mängeln zuzuschreiben, sondern der Tatsache, daß der Völkermord an den Tscherkessen weitgehend tabuisiert wird. Die Gründe hierfür sind wohl wirtschaftliche Interessen, politischer Druck u.a. aus Rußland selbst und ordinärer Rassismus.

Tscherkessische Verbände, an die meine Tochter sich gewandt hat, besitzen keine Lobby. Sehen Sie eine Möglichkeit, meiner Tochter in irgendeiner Weise zu helfen? Wenn ja, würde dies sowohl der Sache als auch meiner Tochter helfen, die statt Achtung für ihr Engagement bisher nur Häme und Beschimpfungen erfährt. 

Mit freundlichen Grüßen, 

                                                                                      Mechtilde Kreiten

E-mail Adresse emeiner Tochter : [...]"



Antwort am 26. Januar 2015 an mich, Irma Kreiten, per email:


"Sehr geehrte Frau Irma Kreiten,



mich hat der Brief Ihrer Mutter Mechtilde erreicht und ich habe mit großer Besorgnis die Schilderungen über Ihre Situation zur Kenntnis genommen.

Es tut mir sehr leid, dass Sie negative Erfahrungen und Diskriminierungen aufgrund Ihrer wissenschaftlichen Forschungen zu den Verbrechen an den Tscherkessen machen mussten. Auch Forschungsergebnisse zu kontroversen Themen sollten öffentlich zugänglich sein und Recherchen zu umstrittenen Themen möglich sein.

Auch wenn mir die Einreise nach Russland aufgrund meines politischen Engagements verwehrt wurde und ich des Öfteren Anfeindungen ausgesetzt bin, glaube ich, dass die Zerstörung einer ganzen wissenschaftlichen Karriere und eines Lebenszieles damit nicht vergleichbar ist.

Gute Forschungen zu Osteuropa und Russland wird besonders in dieser Zeit dringend gebraucht.



Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und viel Kraft und hoffe, dass Sie doch irgendwie eine Möglichkeit finden ihre Forschungen weiterzuführen.



Mit den besten Grüßen,
Rebecca Harms."


Eingescannte Kopie des Briefes meiner Mutter (Adressen von mir unkenntlich gemacht):








 




Freitag, 9. Juni 2017

Warum ich Anna Veronika Wendland angezeigt habe

Im April habe ich mich entschieden, gegen die Diffamierungstätigkeit von Anna Veronika Wendland (Osteuropa-Historikerin und damit meine Kollegin), die sich u.a. gegen meine Person richtet, polizeilich vorzugehen. Aus dem Text meiner Anzeige vom 14.5.2017:

 "Am 25. April 2017 um 16:27 Uhr hatte Frau Wendland geschrieben:  „Ach die Kreiten... die hat mich schon vor Ewigkeiten geblockt (übrigens sonderbarerweise die Einzige, die mich je geblockt hat!), weil ich ihre Sicht der tscherkessischen Nationalidee nicht teile.“   
                              
Frau Wendland hatte am 5. Mai 2016 schiefe, meines Erachtens der Opfer von Rassismus, Völkermord und Vertreibung unwürdige Vergleiche bemüht, sich selbst damit in eine Opferrolle gerückt und sich in gewisser Weise mit den Nachkommen der Überlebenden eines Völkermordes gleichgesetzt. Sie hat zudem mich mehr oder weniger beschimpft, weil ich ein angemessenes Verhalten, orientiert an  freiheitlich-demokratischen Werten, eingefordert hatte. Meine Aufforderungen gaben Anlaß zu einem Kommentar ihrerseits, der wörtlich „Danke, Frau Lehrerin, darf ich mich wieder setzen? Oder muss ich noch in der Bioecke stehen?“ lautete.                 

 Ich vertrete keine tscherkessische Nationalidee. Ich setzte mich für eine (wissenschaftliche) Aufarbeitung eines im 19. Jahrhunderts an der (muslimisch geprägten) Volksgruppe der Tscherkessen durch das Zarenreich verübten Völkermordes ein. Frau Wendland ist selbst Historikerin, sie muß die Unterschiede zwischen dem Vertreten einer Nationalidee bzw. aktuellen politischen Zielen der Staatsbildung, geschichtswissenschaftlicher Aufarbeitung und gesellschaftspolitischer  Aufklärungsarbeit und Vergangenheitsbewältigung kennen - sie verwendet solche diskreditierenden, verächtlich machenden, zynisch klingenden Beschreibungen meiner Tätigkeit meines Erachtens demzufolge auch bewußt. Meine Beschäftigung mit dem Völkermord an den Tscherkessen mit einem Einsatz für eine tscherkessische Nationalidee gleichzusetzen, ist vermutlich ähnlich adäquat, wie eine Aufarbeitung des Holocaust oder von Aspekten desselben auf abfällige Weise als „Werben für Zionismus“ darzustellen.     

Ich bin nicht intolerant, demokratiefeindlich und ich blockiere auch nicht, wenn eine Person meine Gedanken, Auffassungen und persönlichen Ziele nicht teilt – der Maßstab sind für mich viel eher demokratische Einstellungen und ein höflicher, respektvoller Umgang miteinander. Mein Freundeskreis und meine sozialen Interaktionen mit demselben können belegen, daß ich mit unterschiedlichen Personen und Kreisen Umgang pflege. Ich habe den Kontakt zu Frau Wendland nicht abgebrochen, weil sie mir in meinen persönlichen Ansichten nicht beigepflichtet hätte, sondern weil sie ein für meine Begriffe pervertiertes, zynisches und jeglichen menschlichen Respekt gegenüber Völkermordopfern vermissen lassendes Verhalten an den Tag gelegt hat. In ihren Äußerungen kam, wiederum meines Erachtens, auch eine gewisse Gleichgültigkeit, wenn nicht sogar Verachtung und Verrohung gegenüber bedrohten Kollegen und repressierten bzw. ermordeten Aktivisten (z.B. gegenüber dem tot aufgefundenen tscherkessischen Journalisten Timur Kuashev) zum Ausdruck. Daß ich erwähnt und kritisiert hatte, daß von entsprechenden Repressionen und Behinderungen in unserer Öffentlichkeit kaum die Rede ist und kaum angemessen hierauf reagiert wird, wurde durch sie verächtlich gemacht bzw. ins Lächerliche zu ziehen versucht. Meines Erachtens hat sich Frau Wendland damit auch – zumindest implizit – entsprechenden demokratischen und völkerrechtlichen Werten und Normen entgegengestellt.                                              

 Mir selbst gegenüber ist Frau Wendland bereits am  5. Mai 2016 ausfallend geworden und hat vermutlich gezielt verleztende Statements getätigt. Die Hinweise auf Verfolgung, Repression und Behinderung in Bezug auf die Aufarbeitung des an den Tscherkessen verübten Völkermordes und der russischen Kolonialgeschichte im Nordkaukasus hat sie als „zu unterstellerisch und wahnwichtelig“ (= gemeint ist eine Mischung aus verschwörungstheoretischen Ansichten und wahnhaften Vorstellungen) abgetan. Frau Wendland ist des Russischen mächtig, sie kann damit auch entsprechende Menschenrechtsverletzungen auf international angesehenen (regimekritischen) Plattformen wie Caucasian Knot/Kavzaskij Uzel nachlesen und nachprüfen, sie muß nicht mutmaßen oder herumrätseln, daß die entsprechenden politischen Problemlagen erfunden oder herbeiphantasiert wären.            

Frau Wendland hatte im gleichen Zuge auch behauptet, sie störe sich lediglich an meiner angeblichen „Gerichtshof-Attitüde, mit der Sie jeden auf die Anklagebank setzen, der sich diese Sache nicht so zur Herzenssache macht wie Sie es tun. Damit verlieren Sie eigentlich wohlgesinnte Freunde. Mich zB.”. In Widerspruch dazu war für mich früher auch schon von ihrer Seite kein Wohlwollen und keine Unterstützung zu erkennen gewesen – weder für einzelne Personen noch den Opfergruppen gegenüber bzw. auch in Bezug auf die Thematik als solche nicht. Ich halte damit die (vermeintlichen) Sympathien, die ich mir angeblich durch meinen Auftritt verscherzen würde, für vorgeschoben. Frau Wendland hat im Rahmen der selben Unterhaltung mehrfach zu erkennen gegeben, daß sie keinerlei Interesse an einer ernsthafteren Beschäftigung mit den entsprechenden Themen und Problemlagen hatte (Wendland: „Tatsächlich bin ich aufgrund dieses Mangels an Ubiquitarität unsolidarisch mit 99»Prozent» der Verfolgten dieser Erde, von denen es 70»Prozent» noch dreckiger gehen dürfte als den Tscherkessen. Und damit erlaube ich mir, mich aus dieser überaus bizarren Diskussion zu verabschieden.“).                 

Frau Wendland erweckt mit abfälligen und schnoddrigen, teils zynisch-satirischen Formulierungen den Eindruck, ich wolle anderen mein „Lieblingsthema“ aufzwängen. Dies ähnelt stark Diskreditierungsversuchen, wie ich sie von seiten von Vertretern und Verfechtern des russischen Zentralstaats kenne - diesen gemäß ist dann ein Einsatz für Menschen- und Minderheitenrechte ein Anzeichen für Egoismus, Selbstfixiertheit und die Unfähigkeit, den Bedürfnissen und Interessen Anderer Rechnung zu tragen. Wendland schien mir in der besagten Diskussion absichtlich ein Eintreten für das Recht anderer Menschen, sich frei und ihren Interessen und Bedürfnissen gemäß zu betätigen, mit einem eigenen inhaltlichen Engagement und einem Einsatz für die Sache selbst zu vermischen. Ich habe von Frau Wendland nie einen Einsatz für eine „tscherkessische Sache“ und eigenes Interesse gefordert, ich hatte Respekt und die in Demokratien übliche Unterstützung für die Meinungsfreiheit Anderer erwartet.         

Ich habe nichts anderes eingefordert als eine relativ konsequente Orientierung an Demokratie, Menschenrechten und Völkerrecht und ein pluralistisches Gewährenlassen sowie faire Chancen für Vergangenheitsbewältigung und historischer Forschung. Ich werde nun offenbar, als Reaktion darauf, von Kollegen, ehemaligen Bekannten und anderen Personen, darunter eben Frau Wendland, öffentlich diffamiert und mittels unwahrer Behauptungen bloßgestellt. Frau Wendlands entstellende Beschreibungen meiner Person wie auch die verbale Verächtlichmachung und Herabwürdigung meiner Arbeit fügen sich zusammen mit Behauptungen, die mehrheitlich darauf zielen, mich als geisteskrank, aggressiv, unkontrolliert, in meinem sozialen Verhalten gestört, extremistisch oder sogar potentiell gewaltbereit („Amoklauf“) darzustellen. Frau Wendland hat sich von entsprechenden Haßkommentaren bislang nicht in erkennbarer Weise distanziert bzw. sich nicht kritisch dazu geäußert. Ihre frühere eigene Schmähkritik („zu wahnwichtelig und unterstellerisch“) zielte zudem in eine ähnliche Richtung.   

Ich halte Wendlands aktuelle, öffentlich und in meiner Abwesenheit getroffene Aussage „Ach die Kreiten... die hat mich schon vor Ewigkeiten geblockt [...], weil ich ihre Sicht der tscherkessischen Nationalidee nicht teile“ angesichts der hier geschilderten Hintergründe für eine Schmähkritik und für eine bewußt ehrenrührige, beleidigende und unwahre Behauptung, die auf meine öffentliche Diskreditierung und Verächtlichmachung zielt. Dieses greift auch meinen Ruf als besonnene, vernunftgesteuerte Wissenschaftlerin und als Bürger an. Es ist dies auch bereits das zweite Mal, daß Frau Wendland – nach unserer damaligen Auseinandersetzung – auf herablassende, abfällige und znyische Weise in der Öffentlichkeit über mich herzieht_ eine nicht ganz so drastische, aber sehr ähnlich geartete Äußerung hatte sie bereits auch am 19. Februar 2017 getätigt. Ich bitte Sie damit, die noch nicht verjährten Aussagen, also vorrangig diejenigen vom 25. April 2017, auf das Vorliegen von übler Nachrede und Verleumdung in Bezug auf meine Person zu prüfen, wie auch hinsichtlicher möglicher anderer Tatbestände, die (z.B. über Verächtlichmachung) die Rechte Dritte tangieren könnten, zu ermitteln."

Der Diskussionsverlauf vom 5.Mai 2016 findet sich hier, samt einer Kommentierung meinerseits.

Ob ein juristisches Vorgehen gegen das Ausdrücken der hier thematisierten Ansichten, wenn sich dieses mit aggressiven Ausfällen gegen Andere verbindet, gerechtfertigt ist? Ich meine ja, auch wenn viele Menschen möglicherweise dazu tendieren werden, das abfällige Vorgehen gegen historische Aufarbeitung, Thematisierung von Minderheitenrechten und gegen ein Beharren auf Minderheitenschutz, der konkret wird, als "Kleinigkeit" und  belanglose Bagatelle, als "private Meinungsäußerung" abzutun. Es ist meines Erachtens gerade eine zu stark perpetuierte Einstellung des anyything goes, die auf diesem Feld so sehr für Verzerrungen und Entgrenzungen gesorgt hat und hier ist es notwendig, sich doch auch mal wieder im Ziehen von Linien zu versuchen. Entgegen anderslautender Behauptungen geht es mir natürlich schon um eine „Sache“, und zwar um Geschichtsrevisinismus, dessen Verteidigung oder Billigung (bzw. stillschweigende Duldung) und ein mangelndes Einstehen für demokratische Strukturen auf diesem Gebiet.  

Ob man mir vor Gericht in allen benannten Punkten Recht geben wird, weiß ich natürlich nicht. Schließlich ist das Abwägen des Gutes der persönlichen Meinungsfreiheit gegenüber den Rechten anderer Einzelpersonen oder auch gegenüber Gemeinschaftsgütern meist ein Balanceakt, erfordern entsprechende Entscheidungen viel Fingerspitzengefühl und ist das Ziehen solch feiner Linien auch Ermessenssache. Der Völkermord an den Tscherkessen ist samt zugehöriger Stereotypenbildungen, Klischees, Leugnungsstrategien und apologetischer Erzählungen  zudem noch sehr wenig bekannt. Selbst der Holocaust darf in Deutschland unter bestimmten Umständen geleugnet werden: Dann, wenn der öffentliche Friede hierdurch nicht in Gefahr gerät. Man muß trotzdem versuchen, für Grenzlinien einzustehen und diese zumindest wieder immer wieder ins öffentliche Gespräch einzubringen und zu diskutieren -  wenn es andere auch noch so unglaubwürdig und lächerlich finden mögen, daß man „für sowas“ anzeigt.

Mir ist wichtig, gegen eine anscheinend fast allseitig verbreitete mediale und akademische Stimmungslage der Straflosigkeit in Bezug auf die Tscherkessen und den an ihnen begangenen Völkermord vorzugehen und zu versuchen, dieses Thema (samt der Repression von Aufarbeitung und deren Verharmlosung) wieder in einen normalen gesellschaftlichen Raum zurückzuholen. Natürlich auch, aber nicht nur, da ich konkret und persönlich betroffen bin. U.a. bin ich insofern beruflich betroffen, als Personen in, sagen wir mal, "hegemonialen" Positionen im akademischen Betrieb, wie etwa auch A.V. Wendland, ja auch wieder von sich abhängige Personen oder Personenkreise haben, die sich dann veranlaßt oder genötigt sehen mögen, ensprechende Haltungen und Verhaltensweisen zu kopieren und zu übernehmen - auch im "professionellen" Bereich. Ein solches Vorgehen schadet mir als Person sehr und belastet mich, ist gleichzeitig aber, angesichts des Gegenstandes und den Auswirkungen nichterfolgter Aufarbeitung von Genoziden, wohl auch eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse.

Gemeint waren im Anzeigentext folgende beide Vorgänge:

Am 19.2.2017 schrieb Anna Veronika Wendland (die meine Interaktionen eigentlich gar nicht hätte lesen können, da sie von mir bereits zuvor geblockt worden war) auf der Seite einer dritten Person: "Ach, die Frau Kreiten, die blockt alle, die nicht für die čerkessische nationale Sache mit dem nuklearen Erstschlag drohen.".
Blockiert hatte ich an diesem Tag (anläßlich einer Begegnung im gleichen Thread) kurz zuvor tatsächlich eine eifrige Spahn-Leserin/-Likerin/-Konsumentin (bitte Passendes aussuchen, gemeint ist Tomas Spahn - der im Netz ebenfalls aggressiv vorgehende, Fake News streuende, islamophob und verschwörungstheoretisch auftretende Autor des neurechten Hetzblattes "Tichys Einblick"), die mir gegenüber wiederholt mit Anwürfen, d.h. mürrischen bis aggressiven Kommentaren und unterstellerischen Behauptungen in Erscheinung trat. Auch den hier zitierten Kommentar von Frau Wendland, der eine Reaktion auf die Beschwerde der von mir blockierten spahn-esquen Person war, hatte ich mir noch ohne entsprechende Reaktion gefallen lassen.

Dann hat sich Anna Veronika Wendland einer Schmierkampagne gegem mich angeschlossen, die ein deutscher Mann mit Studienfachkombination Geschichte/Latein(laut eigener Angaben, mutmaßlich als Lehrer an einer öffentlichen Schule tätig) seit nunmehr knapp einem Jahr im Internet gegen mich unter viel kollektivem Beifall führt. Ein frühzeitiges Blockieren nach direkt gegen mich vorgebrachten Aggressionen und Unterstellungen hatte hier bisher nichts genützt. Was den "Rädelsführer" im Einzelnen an Gefühlslagen und Interesse umtreibt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Was Claqueure und Fans betrifft, so liegen da die Verhältnisse ein wenig anders: Ein teils namensgleiches Personal geht auch gegen Andere, etwa den CDU-Politiker Dr. Matthias Zimmer, mit recht klar erkennbarer Motivlage und aufgrund ähnlicher Anlässe wie dem, den ich geboten hatte, vor (es wird dann oft viel von "Blockwart"-Mentalität und "Denunziantentum" gesprochen).

Das diskreditierende Vorgehen gegen mich wird auf folgende Weise vollzogen:
Wenn ich auf meiner Facebookwall Aussagen treffe à la „Ich bin skeptisch gegenüber Ansicht x, wie sie von Person a geäußert wurde" oder "Ich hege Zweifel an der Richtigkeit und Vollständigkeit der Einschätzungen von Person a" bzw.  "Das und das stimmt an Ansicht x und dies und jenes bemängele ich“, dann wandert diese Aussage, wenn ich Pech habe (wenn der Kollege bzw. Lehrer gerade freie Zeit genießt oder vielleicht auch gerade eine gewisse, zu füllende Sinnesleere verspürt oder durch Fernsehnachrichten an die Türkei als meinem Wohnort erinnert wird), auf Sönke Hennings Facebook-Seite und erscheint dort als „Irma Kreiten hat sich für x ausgesprochen“ und wird dort von einer aufgebrachten und sich gegenseitig aufputschenden Fangemeinde als „Das Vertreten von Meinung x ist perfide, bescheuert und krank“ kommentiert. Oder auch: Es wird eine Stellungnahme meinerseits dazu, wie ich den öffentlichen Umgang mit Angelegenheit b finde, als Beleg für „Irma Kreiten ist/kämpft gegen c“ herangezogen.

Was soll man auch tun, wenn man nicht widerlegen und sich nicht auf ernstgemeinte, sachgerechte Argumentationen einlassen kann, weil man sonst (gerade auch als Gruppe) schlecht aussehen würde und sich etwas eingestehen müßte? Man projiziert das eigene (moralische) Versagen, eigene Verhaltensmechanimsen, Schwachstellen, vielleicht auch eigene heimliche Wünsche und Tendenzen, den eigenen Einstellungen verwandte Ressentiments auf dem Gegner/ seinen politischen Kontrahenten und wirft ihm vor, das zu tun, was dieser selbst problematisiert hat. Man stellt auf diese Weise eine Art künstlicher Äquivalent ("tu quoque, Brute")her, die allerdings auf Lügen und Verdrehungen beruht, man stellt schlichtweg Dinge und Verhältnisse auf den Kopf. So wurde auch aus meinem Problematisieren geschichtsrevisionistischer Tendenzen im deutschen akademischen Umfeld inklusive derer einer sehr bekannten und einflußreichen Person in ein Schweigen (oder gar Verschweigen?) meinerseits in Bezug auf Völkermord umgedeutet und wurden dem diktatorische/totalitäre Tendenzen von Irma Kreiten sowie Symptome einer 'Geisteskrankheit' beigesellt, während die entsprechenden Vertreter besagter Thesen dem Augenschein nach völlig unbehelligt von Sönke Henning Tappe leben. 

Dem Fanmob des Herren T. hatte sich Anna Veronika Wendland also am 25.4.2017 zugesellt und schrieb in diesem Zusammenhang (im Zuge von gebündelten Verleumdungen und ehrenrührigen Behauptungen durch eine ganze Reihe anderer Personen) das bereits zitierte "„Ach die Kreiten... die hat mich schon vor Ewigkeiten geblockt (übrigens sonderbarerweise die Einzige, die mich je geblockt hat!), weil ich ihre Sicht der tscherkessischen Nationalidee nicht teile.", damit das Bild von der diktatorischen und totalitären Irma Kreiten um ein paar Facetten ergänzend und bestärkend. 
                             
Frau Wendland muß lernen, daß man Diskussionen, und das gilt erst recht für Auseinandersetzungen akademischer Natur, nicht per Zwang, nicht per Diffamierung/Rufmord, per Einschüchterung, dem Inaussichtstellen von Diskriminierungen und über tatsächliche physische Zermürbung führt. Und daß man auch nicht davon profitiert oder es billigt, wenn andere dies tun, indem man z.B. stillschweigend zusieht oder wegsieht, daß man auch nicht im Nachhinein das einschlägige Verhalten anderer Personen rechtfertigt, schönredet oder rationalisiert oder einfach ungeprüft Einstellungen und Einschätzungen von verleumderisch tätigen Personen übernimmt. Auch sollte meine Kollegin lernen, Argumentationen und Auseinandersetzungen zu ganzen überindividuellen Problemlagen nicht derart zu personalisieren.
 


Donnerstag, 19. Mai 2016

Boell-Stiftung machte Bock zum Gärtner - ZDF-Korrespondentin Anne Gellinek als "Aufklärerin"

folgender Text erchien zuerst auf der deutsch-türkischen Nachrichtenplattform NEX unter dem Titel:

Hier folgt die Textversion mit den vollständigen Quellenangaben/links:
 
ZDF-Korrespondentin Anne Gellinek:
Boell-Stiftung machte Bock zum Gärtner
Teilaufklärung über Kreml-Propaganda verscheiert die eigene Mitwirkung

 
Die Abwehr russischer Propaganda und die Einsicht in ihre destabilisierende Wirkung haben in Deutschland viel zu spät eingesetzt. Aufklärungsarbeit kommt nach wie vor nur schleppend voran. Jenseits der faktischen Richtigstellung besonders effektvoller Kreml-Lügen und einer bruchstückhaften Beschäftigung mit einzelnen Akteuren und deren Netzwerken lassen eine tiefgreifendere Beschäftigung mit den gesellschaftlichen und politischen Vorbedingungen für die Angreifbarkeit durch russische Propaganda weiterhin auf sich warten. So wird zwar viel von einer „hybriden“ Kriegsführung (auch: „innerer Zersetzung“) gesprochen, dann aber doch meist wieder in Rückgriff auf eine alte Schwarz-Weiß-Optik gedacht.

Der Kampf gegen das Erstarken totalitärer Strukturen wird in der öffentlichen Darstellung verengt auf die Konfrontation eines „demokratischen Europa“ mit den Machtambitionen des Kreml. Der Umstand, daß neben der Ukraine auch andere Nicht-EU-Länder wie die Türkei in erheblichem Ausmaß von russischen Propagandalügen und Destabilisierungsstrategien betroffen sind, findet bislang nicht ausreichend Berücksichtigung. Daß Rußland beim aktuellen Frontalangriff auf ein internationales System, das auf Demokratie, Menschenrechte und Völkerrecht baut, zwar mit gutem Recht als Hauptakteur bezeichnet werden kann, aber bei weitem nicht die einzige Störquelle darstellt, bleibt auf gleiche Weise unterbelichtet.

Insbesondere wird nicht angemessen herausgearbeitet, daß sich u.a. der Iran, Assad-Syrien und die PKK (sogar auch Nordkorea und Venezuela) ähnlich gearteter Desinformations- und Destabilisierungsstrategien bedienen und daß diese politischen Kräfte ihre Propaganda-Inhalte auch mit denen des Kreml abtimmen. Komplementär dazu wird verdrängt, welch große Rolle gerade westeuropäische und insbesondere deutsche Akteure beim Erstarken des Putinismus gespielt haben und wie diese mit dem Kreml und den herrschenden Kreisen „befreundeter“ Staaten vernetzt sind. Über die eigenen Demokratiefeinde, Lobbyisten im Bereich der Wirtschaft, Querfront*-Apologeten in den Medien und zivilgesellschaftliche „nützliche Idioten“ erfolgt der Angriff auf unser internationales System auch aus dem westeuropäischen Innern heraus.

In diesem Artikel wird es um eine deutsch-russische Partnerschaft bei der Aushöhlung unseres internationalen Wertesystems und die damit verbundene Ignoranz gegenüber den „anderen“ Opfern des Putinismus gehen. Und darum, wie tief sich antidemokratische Lobbynetzwerke in die deutsche „demokratische Mitte“ bereits eingegraben haben und wie groß die dadurch entstandenen Abhängigkeiten sind. Letzteres kann wohl kaum etwas besser verdeutlichen als der Umstand, daß nun ausgerechnet die Personen und politischen Netzwerke, die zuvor selbst kritische Stimmen ignoriert und unterdrückt, teils sogar russische Propagandaerzählungen verbreitet und von diesem Verhalten profitiert haben, nun auch noch mit Aufklärungsarbeit beauftragt werden.

Am 6. Mai 2015 hat die Grünen-nahe Boell-Stiftung in Brüssel eine Veranstaltung unter dem Titel „Experiences in Europe in the Hybrid Conflict. The manipulation of reality and what we can do about it” („Europäische Erfahrungen im hybriden Konflikt. Die Manipulation von Realität und was wir dagegen tun können“) durchgeführt. Die Veranstaltung erhob den Anspruch, sich auf allgemein-abstrakter Ebene der Herausforderung russischer Einflußnahmen zu stellen und mögliche Strategien im Umgang damit zu entwicklen. Teilnehmende waren Rebecca Harms (MdEP, Die Grünen), Mark Weinmeister (Staatssekretär für Europaangelegenheiten), Annette Riedel (EU-Korrespondentin des Deutschlandradio) und Peter Pomerantsev, ein exzellenter Analyst russischer Propagandastrategien. Geladen war allerdings auch Anne Gellinek, die zwar der deutschen demokratischen Öffentlichkeit nach wie vor als tadellose Journalistin gilt, aber hinsichtlich der „Manipulation von Realität“ zugunsten von Kreml-Interessen alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist.

Anne Gellinek war von 2008-2014 Leiterin des ZDF-Studios in Moskau und hat in dieser Position mehrere Reportagen zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi produziert. In keinem ihrer Beiträge haben die Tscherkessen als Ureinwohner der Region auch nur namentliche Erwähnung gefunden. Insbesondere in Anne Gellineks längerer Reportage „Durch den wilden Kaukasus“ wurde eine durch zahlreiche Quellen belegte blutige Kolonialgeschichte systematisch durch russische und (post-)sowjetische Geschichtsmythen ersetzt: Als „Urbevölkerung“ wurden beispielsweise die russischen Kosaken ausgegeben und anstatt an die Tscherkessen als Völkermordopfer zu erinnern, begleitete das ZDF-Team eine Feier zum Ende des „Großen Vaterländischen Krieges“. Die Hochebene von Kbaade wurde ausschließlich als „Krasnaja Poljana“ bezeichnet, ihre symbolische Bedeutung als Kulminationspunkt des russischen Vernichtungskrieges gegen die Tscherkessen blieb im Dunkeln.

Die heutige Lage ethnischer Minderheiten in der Region wurde insgesamt nicht thematisiert. Auch daß die turkstämmigen Balkaren, die zwar im Film gezeigt, aber ebenfalls nicht namentlich erwähnt werden, von Stalin deportiert worden waren, wurde verschwiegen. Somit konnten die Folgen der stalinschen Deportationen und der sowjetischen Zwangsmodernisierung als urige ländliche Rückständigkeit und Ausdruck eines Entwickungsdefizits ausgegeben werden, das aus den Traditionen der Dorfbevölkerung selbst erwächst. Das stillschweigende Hinweggehen über historische Verbrechen und über deren Langzeitfolgen, die Auslöschung der Erinnerung an die Opfer (etwa über die Tilgung alter Ortsnamen), die Übernahme der Geschichtsmythen der Täter und Besatzer sowie das Leugnen der historischen Existenz der jeweiligen Opfergruppe inklusive des hartnäckigen Ignorierens ihrer heutigen Nachkommen werden allerdings von Genozidforschern als Fortführung bzw. letztes Stadium eines Völkermordes angesehen.

Anne Gellinek ist studierte Osteuropa-Historikerin, intellektuelle Unbedarftheit und fehlendes fachliches Wissen darf man somit als Ursachen eines derartigen journalistischen Versagens nicht voraussetzen. Anzunehmen ist vielmehr, daß Anne Gellinek sich in einem Interessenskonflikt befand und vor diesem Hintergrund eine strategische Entscheidung zu Lasten von Völkermordopfern getroffen hat. Die ZDF-Korrespondentin war nämlich neben ihren „kritischen“ Reportagen auch als ZDF-Komentatorin der Olympiade vorgesehen gewesen – eine durchaus prestigeträchtige Rolle. Die Übertragungsrechte für die Spiele hatte das ZDF erstmals direkt vom Internationalen Olympischen Komitee erworben und dafür schätzungsweise einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe hingeblättert.

Im Umfeld der Olympischen Spiele in Sotschi wurden mehrfach ausländische Journalisten behindert. Im Oktober/November 2013 wurde der norwegische Reporter Øystein Bogen, der offenbar vom russischen Geheimdienst FSB auf eine Schwarze Liste gesetzt worden war, zusammen mit seinem Kameramann mittels ständiger Kontrollen schikaniert, schließlich sogar inhaftiert und verhört. Øystein Bogen war im Unterschied zu Gellinek in einer Video-Reportage tatsächlich auch auf die Tscherkessen eingegangen. Den niederländischen Journalisten Rob Hornstra und Arnold van Bruggen wurde im Herbst 2013 die Einreise nach Rußland verweigert, nachdem bei einem vorherigen Aufenthalt eine Deportation bereits angedroht worden war. Beide hatten sich im Rahmen ihres „The Sochi Project“ seit 2007 ausführlich mit der Geschichte der Region und den Tscherkessen beschäftigt. Ein MDR-Filmteam, das zumindest auf folkloristisch-touristische Weise die Tscherkessen zeigte, wurde zwar ebenfalls behindert (nicht unbedingt im Zusammenhang mit seinen Recherchethemen stehend), konnte seine Dreharbeiten aber immerhin erfolgreich abschließen.

Anne Gellinek samt Team hätte sich mit einer Berichterstattung über Tscherkessen und Balkaren eventuell Belästigungen durch russische Behörden ausgesetzt und maximal wohl einen Landesverweis riskiert. Ihre Mitwirkung an dem Prestigeprojekt „Sotschi 2014“ scheint sie jedoch fest im Auge gehabt zu haben. Ihr Ziel bei der Olympia-Kommentierung war es erklärtermaßen, auch den „Spaß an diesem internationalen Fest des Sports in Russland erlebbar“ zu machen, d.h. sie stand den Spielen dann letzendlich doch positiv gegenüber. Eventuell dachte sie sogar zu diesem Zeitpunkt noch daran (der Pressebericht bleibt hier undeutlich) ein Exklusivinterview mit Putin zu führen. Zumindest die mit der Kommentatorenrolle einhergehende Profilierung war ihr wohl einiges wert gewesen und man kann spekulieren, daß sie diese nicht aufs Spiel setzen wollte. Jedoch behauptete sie ausdrücklich, sie sei bei den Dreharbeiten zu „Durch den wilden Kaukasus“ keinem Druck ausgesetzt und nicht behindert worden, auch wenn sie sich jeden Schritt hätte genehmigen lassen müssen.

Nun ist es nicht so, daß in Putin-Rußland keinerlei Form von kritischem Journalismus mehr möglich wäre. Laut „Welt“-Korrespondentin Julia Smirnova variiert der Grad der Pressefreiheit von Region zu Region und hängt „von der jeweiligen politischen Situation, den kommunalen Behörden und dem Mut der Journalisten vor Ort“ ab. Über Korruptionsfälle etwa darf eher berichtet werden als über andere Themen. Heikle Angelegenheiten können von russischen Medienanstalten dann aufgegriffen werden, wenn sie bereits internationale Resonanz erfahren haben. In Bezug auf die Sotschi-Berichterstattung hatten sich russische Behörden allerdings besonders repressiv gezeigt. Wenn staatsnahe russische Medien bisweilen dann doch kritisch berichteten, so vollzog sich diese Kritik doch in streng begrenztem Rahmen und bedurfte vorheriger Erlaubnis. Ethnische Spannungen und die blutige Kolonialgeschichte der Region gehörten ganz offensichtlich nicht zu den geduldeten Themen.
Umso mehr ist für Anne Gellinek eine Vermeidungshaltung anzunehmen. Gellineks Reportagen suggerierten zwar einen kritischen Rundumblick, konzentrierten sich aber auf Korruption, Umweltschutz, Repression der LGBT-Bewegung, Behördenwillkür, Arbeitnehmerrechte und erboste Anwohner. Hier scheint sich die ZDF-Korrespondentin für ihre „Olympiakritik“ in etwa den Rahmen gesteckt zu haben, der aus Sicht russischer Behörden gerade noch so eben zulässig oder in dieser Form bereits von Anderen ausgehandelt worden war. Sie hat sich jedenfalls aus einem breiteren Themenspektrum diejenigen „kritischen“ Themen herausgepickt, die im Vergleich zu anderen als weniger heikel erscheinen. Eine Beschäftigung mit Tscherkessen und Balkaren hätte dagegen geheißen, bewußt anzuecken und einen zermürbenden Kampf um Deutungshoheiten führen zu müssen. Die Aufgabe ausländischer Journalisten wäre es gemäß sachkundiger Empfehlungen allerdings gewesen, die lokalen Beschränkungen journalistischer Arbeit nicht hinzunehmen, vielmehr Tabus offensiv anzugehen und damit auch einheimischen Kollegen ein Stück weit den Weg zu öffnen. In ihrem Ignorieren der ethnischen Minderheiten der Region hat Gellinek aber gerade diejenigen, die besonders unter dem russischen Repressionsdruck zu leiden hatten, ein weiteres Mal benachteiligt.

Eine Selbstzensur aus opportunistischen Beweggründen steht in starkem Kontrast zu Anne Gellineks Selbstinszenierung. Sie präsentiert sich als besonders unerschrockene Journalistin, die unheimlich „taff nachfragen“ kann. Sie beklagt sogar, daß es unter den gegebenen politischen Umständen in Rußland für sie schwierig geworden sei, noch in ausreichendem Maße kritische Interviewpartner für ihre Filme zu finden. Ein Angebot an das ZDF, Kontakte zu Tscherkessen herzustellen wie zu Personen, die sich mit der Situation der Tscherkessen befassen, wurde allerdings stillschweigend abgelehnt. Indem Gellinek bewußte Auslassungen und vorhandene Beschränkungen nicht einmal benennt, wird ihre selektive Kritik zu Augenwischerei. Ihr nur scheinbar schonungsloser Blick „hinter die Kulissen“ baut gleichzeitig neue Kulissen auf. Die Illusion von Vielfalt bzw. begrenzte und kanalisierbare Kritik liegen in gewissem Sinne sogar im Interesse des Kreml. Vorgeschobene Kritik, in Russland auch „Hofkritik“ genannt, wird von ihm manchmal als Ventil eingesetzt, um eine Opposition, die ihm wirklich gefährlich werden könnte, niederzuhalten.

Nun sollte man nicht behaupten, daß das, was Anne Gellinek berichtet hat, den russischen Autoritäten in keinem Falle wehgetan hat. Trotzdem kommt hier der Eindruck eines Kuhhandels auf, mittels dessen der russischen Seite ein Berühren ihrer wundesten Punkte erspart blieb. In Anlehnung an ein philosophisches Begrifffspaar könnte man sagen, daß Anne Gellinek vorwiegend „bekannte Unbekannte“ behandelt und Abstand genommen hat von den „unbekannten Unbekannten“, also von jenen Problemthemen, von denen ein westeuropäisches Publikum aufgrund erfolgreicher russischer Repressionsmaßnahmen meist nicht einmal wußte und in Bezug auf die es demzufolge auch nicht kritisch nachfragen kann. Daß das nach außen getragene Bild schonungsloser Aufklärung über die Schattenseiten von Sotschi 2014 verfangen hat, entnimmt man etwa einem Medienkommentar in Die ZEIT: Dieser moniert die weitgehend unkritische Olmypia-Berichterstattung von ARD und ZDF, lobt aber ausdrücklich Anne Gellineks „Durch den wilden Kaukasus“ als „tiefgründige Reportage“. Auch Betreiber kremlnaher „Alternativplattformen“ halten die ZDF-Korrespondentin für eine Vertreterin entschieden russland- und iranfeindlicher Sichtweisen und greifen sie deswegen wütend an.

Indem die Boell-Stiftung mit Anne Gellinek eine Vertreterin russischen Geschichtsrevisionismus als „Expertin“ für russische Desinformationspolitik einlädt, weist sie ihr eine Aufgabe zu, die diese umfänglich gar nicht erfüllen kann – jedenfalls nicht, wenn sie ihre eigene Beteiligung nicht offenlegt. Auf diesem Wege werden Angepaßte gefördert, d.h. diejenigen Funktionsträger, die auf entsprechende äußere Anreize reagieren und damit manipulierbar sind. Die Botschaft, die die Organisatoren der Konferenz in der Sache vermitteln, ist die, daß die Leugnung ethnischer Säuberungen und genozidaler Gewalt nicht ins Gewicht fällt: Nach wie vor muß niemand mit realen Konsequenzen rechnen, wenn es sich bei den Betroffenen um Balkaren oder Tscherkessen und damit um Opfergruppen ohne nennenswerte Lobby handelt. Wenn sich hingegen die öffentliche Aufmerksamkeit auf armenische Angelegenheiten und darüber vermittelt europäische Interessen richtet, fordern Grüne und Andere vehement, es dürfe keinen „devoten Umgang“ mit der Türkei geben und man solle sich von Erdoğan nicht „erpressen“ lassen. In Bezug auf die vorwiegend muslimischen Nordkaukasier wird vorauseilender Gehorsam gegenüber dem Kreml nicht nur als gesellschafts- und politiktauglich zugelassen, sondern indirekt sogar mit dem Status des „kritischen“ Experten belohnt. Den Machthabern in Rußland dürfte diese Form halbherziger, dafür aber stark polarisierender „Rußlandkritik“ letztendlich entgegenkommen.

Die deutsche Öffentlichkeit insgesamt scheint bislang kein nennenswertes Problem mit dem Umstand zu haben, daß Personen und Personenkreise mit der Abwehr russischer Propaganda befaßt sind, die Aufklärungsarbeit zuvor behindert hatten. So fühlt man sich nach wie vor nicht einmal bemüßigt, fehlerhafte, geschichtsklitternde Darstellungen öffentlich-rechtlicher Sender richtigzustellen und auf die generelle Einhaltung beruflicher Standards zu dringen, statt sich an der kurzfristigen „Nützlichkeit“ prominenter Meinungsmacher zu orientieren. Einem massiven Propagandaansturm Rußlands und verbündeter Mächte dürfte auf diesem Wege, d.h. ohne selbstkritische Analyse der eigenen Verflechtungen und Vereinnahmungen, kaum zu begegnen sein. Das Resumée besagter Boell-Konferenz fiel denn auch so banal wie selbstbetrügerisch aus: Die EU solle sich nicht auf das Niveau des Kreml herabbegeben und den russischen Informationskrieg nicht mit eigener Propaganda beantworten. Anne Gellinek selbst muß auf dieser Konferenz die feste Überzeugung vertreten haben, daß es möglich sei, Lüge und Wahrheit voneinander zu unterscheiden und daß es der Beruf eines Journalisten sei, die Fakten zu überprüfen.


* „Querfront“ meint den Zusammenschluß linksautoritärer und rechter/rechtsextremer Kräfte zu einer antifreiheitlichen Allianz.